Folgen  der  Unruhen.  589

von  der  Communal-  und  Buͤrgergarde  die  Wachen,  wie  auch
die  aͤussern  Zugaͤnge  zur  Stadt,  zu  Abwehrung  etwaiger  Angriffe
  von  aussen,  besetzt.

So  trat  denn  aͤusserlich  wieder  Ruhe  ein,  aber  der  Brand
in  den  Gemuͤthern  glomm  noch  immer  fort,  und  keiner  konnte
sich  verhehlen,  daß  zu  Wiederherstellung  einer  dauernden
Ordnung  und  Zuftiedenheit  etwas  Entscheidendes  geschehen
und  in  den  veralteten  Formen,  gegen  welche  sich  der  erwachende
  Volksgeist  immer  bestimmter  erklärte,  manche
zweckmäsige  Aenderung  vorgenommen  werden  musse.  Die
vom  Könige,  unter  Vorsitz  des  Prinzen  Friedrich  August
niedergesetzte  Commission  zu  Aufrechthaltung  der  össentlichen
Ruhe,  erkannte  in  einer  Bekanntmachung  vom  11.  Septbr.
das  Benehmen  der  Bewohner  Dresdens  rühmend  an  und
erklrte  zugleich  sich  bereitwillig,  Wünsche  und  Anträge  über
städtische  und  öffentliche  Angelegenheiten  anzunehmen  und  zu
erdrtern.  Demgemäs  kamen  am  andern  Tage  in  der  Altstadt
  viele  Büraer  und  Einwohner  zusammen,  um  sich  über
die,  der  dffentlichen  Wohlfahrt  geltenden  Wönsche  zu  besprechen.
  Dahin  gehdrten:  Abschaffung  der  Polizeibehorde,
Einführung  einer  neuen  Stadtordnung,  Erniedrigung  mehrerer
  drtlicher  Abgaben,  Abänderung  der  seit  1822  eingeführten
  Grenzzoll=  und  Acciseverordnungen,  Schutz  der  evangelischen
  Landeskassen  gegen  Abstüsse  für  fremdartige  Zwecke,
Repräsentation  der  Dresdner  Bürgerschaft  auf  dem  nächsten
Landtage,  und  Entfernung  solcher  Staatsbeamter,  welche
hartnäckig  am  Alten  klebten  u.  s.  w.  Dieser  letztere  Wunsch
wurde  in  der  Hauptsache  schnell  erfüllt.  Der  König  Anton
den  die  Kunde  jener  erschütternden  Vorfälle  in  der  Hauptstadt,
  mit  tiefem  Schmerze  erfüllte,  um  so  mehr,  da  man
ihn  immer  in  dem  Glauben  an  die  vollkommene  Zufriedenheit
  seiner  Unterthanen  gelassen  hatte,  beklagte  tief  ergriffen
die  schwere  Täuschung:  „Ich  habe  geglaubt,  daß  mein
Volk  mich  licbe;  ich  habe  Keinen  gekrankt  und  alles  so  gelassen,
  wie  es  unter  meinem  Bruder  war.“  Mit  ernstem
Vorwurfe  aber  wendete  er  sich  an  den  Minister  v.  Einsiedel,
daß  dieser  ihn  über  die  Stimmung  des  Volkes  in  der