590  Folgen  der  Uuruhen.

Tduschung  erhalten  habe.  Dieser  konnte  freilich  nur  eigne
Unkenntniß  vorschützen,  obgleich  ihm  aus  guter  Quelle  jene
Ereignisse  schon  mehrere  Wochen  früher  vorausgesagt  worden
  waren.  Für  seine  personliche  Sicherheit  besorgt  und
vom  Konige  selbst  dazu  aufgefordert,  bat  Einsiedel  um  seine
Entlassung,  die  ihn  nicht  ganz  unverschuldet  traf,  wenn
man  auch  zugeben  mußte,  daß  die  einmal  gegen  ihn  gekehrte
Volksungunst  ihm  auch  diejenigen  Uebel  beimaß,  welche  er  nicht
herbeigerufen  und  welche  zu  beseitigen  nicht  in  seiner  Macht
stand.  An  seine  Stelle  wurde  der  Freiherr  von  Lindenau,
dem  schon  von  Altenburg  her  der  Ruf  eines  hochverdienten,
uncigennützigen  Staatsmanns  folgte  und  auf  den  auch  der
Wunsch  des  Volks  seine  Wahl  lenkte,  vom  Koͤnige  berufen.

Der  Prinz  Friedrich,  schon  seit  länger  der  Liebling  des
sächsischen  Volks,  hatte  durch  seine  würdevolle  und  theilnehmende
  Thätigkeit  in  jenen  verhängnisvollen  Augenblicken,
das  allgemeine  Vertrauen  noch  fester  an  sich  geknäpft.  Am
12.  Septr.  ernannte  der  König,  mit  Umgehung  seines  eigenen
damit  einverstandenen  Bruders,  des  Herzogs  Maximilian,  seinen
  altesten  Neffen,  den  Prinzen  Friedrich  August,  zum  Mitregenten.
  Das  sächsische  Volk  wußte  dankbar  die  Größe  dieser  Entsagung,
  sowohl  von  Seiten  des  Königs,  wie  auch  des  Prinzen
Maxmilsan  und  dessen  edler  Gemahlin,  die  bei  diesem  Schritte
besonders  thaätig  gewesen  war,  zu  ermessen,  und  den  vorangegangenen
  Stürmen  folgte  zum  ersten  Male  ein  siegreiches
Leuchten  der  Freude.  Die  Begeisterung  für  den  nunmehrigen
  Prinzen  Mitregenten  zeigte  sich  gleich  bei  der  diesem  Ereignisse
  zu  Ehren  angestellten  Illumination  in  ihrem  reinsten
Lichte  und  die  Bürger  spannten  ihm  die  Pferde  aus  und
zogen  ihn  über  die  Brücke  nach  dem  Schlosse.  Das  aber
in  diesem  Freudentaumel  die  angeborene  Vorsicht  der  Sachsen
  keinesweges  unterzugehen  drohte,  zeigte  die  Empfindlichkeit,
  welche  einige  mißverstandene  Ausdrücke  in  öffentlichen
Anschlägen  sogleich  wieder  in  die  Gemüther  brachte.  Daher
mußten  in  Dresden  wie  in  Leipzig,  einige  Anschläge  die  eine
den  Wönschen  der  Börger  nicht  entsprechende  Deutung  zuließen,
  zurückgenommen  und  durch  andere  ersetzt  werden.  Auf