Folgen  der  Unruhen  591

diese  Weise  kehrte  endlich  der  Glaube  in  die  Brust  der  Bürger
  und  mit  ihm  auch  eine  festere  Ruhe  in  die  Hauptstadt
wieder,  und  die  Rückkehr  des  Militairs,  von  welcher  man
sich  nicht  die  besten  Folgen  versprochen  hatte,  brachte  keine
Mißverhältnisse  hervor.  Die  Communalgarde  erbot  sich,  mit
ihm  gemcinschaftlich  Dienst  zu  thun,  und  der  Prinz-Mitregent
  gewährte  dieses  Anerbieten  durch  eine  Erklärung,  deren
Worte  tief  in  jeder  Sachsenbrust  wiederhallten  und  die  auch
in  dieser  vaterländischen  Schrift  eine  Erinnerung  verdienen:
„Ich  habe  mich  nicht  getauscht;  das  Vertrauen,  welches  ich
vom  ersten  Augenblicke,  in  Sie  setzte,  hat  sich  herrlich  bewährt.
  Vertrauen  erweckt  wieder  Vertrauen;
darum  bitte  ich  sie,  meine  Herren,  vertrauen  sie  auch  mir!
Ich  glaube  es  zu  verdsenen,  mein  Inneres  sagt  es  mir.
Mit  den  liebevollsten  Gefühlen,  welche  ich  in  meinem  Herzen
von  der  Jugend  auf  genährt,  werde  ich  mit  allen  Kräften
für  das  Wohl  des  Staates  sorgen.  Glauben  Sie,  es  sind
nicht  leere  Worte,  die  ich  zu  Ihnen  sage;  vielmehr  soll  mein
künftiges  Leben  nur  dahin  gerichtet  seyn,  alles  Gute  zu  befordern
  und  stets  für  das  Wohl  des  Staates  zu  sorgen.“
Am  13.  Septbr.  schon  erfolgte  die  Bekanntmachung,  daß
der  Stadtrath  auf  sein  Recht,  keine  Rechnung  über  das
Gemeindevermögen  abzulegen,  verzichtet  habe.  Von  Seiten
der  Neustädter  Bürger  bat  man,  in  Folge  des  angekündigten
  freien  Gehdres,  aller  Wünsche  und  Beschwerden,  um
baldige  Berufung  der  Stände,  Vorlegung  genauer  Uebersicht
  des  Staatéhauêhaltes,  zweckmáßigere  Repräsentation
der  Staatsbürger,  Milderung  des  Censurzwanges,  Aufhebung
des  Geleites,  Erhaltung  und  Belebung  der  Industrie,  gleichmäßige
  Vertheilung  der  Abgaben,  moglichste  Einschränkung
eller  Staatbausgaben,  Verhütung  aller  Mißverhältnisse  zwischen
  den  verschiedenen  Confessionen  und  ernstliche  Wachsamkeit
  gegen  die  Jesuiten.  Noch  trug  man  in  besonderer  Räcksicht
  auf  die  Hauptstadt,  auf  Abschaffung  des  Polizeicollegiums,
  auf  Rückgabe  dieses  Verwaltungszweiges  an  den
Stadtrath,  für  diesen  selbst  aber  auf  eine  bessere  Einrichtung
und  vollständige  Controle  durch  die  Communrepräsentanten,