Folgen  der  Uuruhen.  593

dusserer  politischer  Reibungen  und  unter  den  Auspicien  Napoleonischen
  Joches  in's  Leben  getreten,  auf  die  gegenwirtige
  Zeit  gar  nicht  in  Anwendung  zu  bringen  war,  wie  dies
auch  die  von  den  Leipziger  Buchhandlungen  und  Buchdruckereien
  eingereichte  Adresse  sehr  richtig  bemerkte,  welche  zugleich
  die  durch  den  Censurzwang  dem  sächsischen  Buchhandel
  und  dem  vaterländischen  Wohlstande  im  Allgemeinen
drohende  Gefahr  schilderte,  den  Vicarius  apostolicus  in  Dresden
  als  cine  Censurbehörde  anzuerkennen  Anstand  nahm,
um  Preßfreiheit  mindest  zu  Besprechung  innerer  Angelegenheiten,
  wie  auch  um  Sicherheit  der  mit  Censur  gedruckten
  Schriften  und  um  zweckmáßigere  Einrichtung  der  Büchercommissson
  in  Leipzig  bat,  der  man  einen  Abgeordneten  der
dasigen  Buchhandlungen  und  Buchdruckereien  an  die  Seite
gestellt  zu  sehen  wünschte.

Daß  die  statt  gefundenen  Ereignisse  in  Dresden  und
Leipzig  nicht  die  Ausgeburten  nur  örtlicher  Beschwerden  gewesen
waren,  bewicsen  die  wenig  später  auch  in  andern  Gegenden
des  Landes  —  obwohl  unblutiger  und  vorübergehender  —
ausbrechenden  unruhigen  Bewegungen.  Am  stürmischsten  ging
es  in  Chemnitz  her,  wo  Bürgerschaft  und  Stadtrath  seit
längerer  Zeit  in  großer  Spannung  lebten,  wodurch  auch  der
Entwurf  eines  neuen  städtischen  Verfassungsgesetzes  veranlaßt
worden  war.  Hier  wurde  das  Haus  eines  katholischen
Kaufmanns  —  nicht  sowohl  aus  Fanatismus,  als  aus
Handelsneid  und  Raubsucht  —  geplündert  und  verwüstet,
und  über  zwanzig,  wegen  versäumter  Frohndienste  in's  Gefängniß
  gesetzte  Bauern  befreit.  Eine  in  der  Eile  bewaffnete
Bürgerwache  brachte  auch  hier  die  Ruhe  zurück.  In  Pirna,
Freiberg  und  Meißen  fanden  seit  dem  13.  September  Börgerversammlungen
  statt,  um  sich  über  eine  neue  Einrichtung
des  Gemeinwesens  zu  besprechen;  was  zum  Theil  das  Versprechen
  von  Seiten  der  Stadträthe  zur  Folge  hatte,  daß
dieselben  über  die  Verwaltung  des  Stladtvermogens  künftig
Rechenschaft  abzulegen  sich  anheischig  machten.  Dem  beabsichtigten
  Einzuge  der  Bergleute,  kam  man  durch  Erhöhung
ihrer  Lohnung  zuvor.  In  einigen  Städten  des  Erzgebirges

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