596  Wiederholte  Unruhen.

ten,  als  da,  wo  Entfesselung  der  allgemeinen  Thaͤtigkeit
dem  Talentvollen  und  Fleißigen  das  offenbare  Uebergewicht
in  die  Hand  zu  spielen  versprach.  Am  21.  Octbr.  wurde
sogar  ein  Plan,  an  zwei  Orten  der  Hauptstadt  zugleich  Brand
zu  stiften,  entdeckt  und  vereitelt;  eben  so  ging  es  mit  der
Absicht  einiger  Verwegenen,  den  Pulverthurm  in  ihre  Gewalt
  zu  bekommen,  um  dadurch  Pulver  zu  erhalten.  Bei
einigen  dieser  Vorfälle  mochte  wohl  mehr  Schadenfreude
oder  Schabernack  im  Spiele  seyn,  als  wirklicher  Emporungsgeist;
  so  z.  B.  bei  den  Pulverschlägen,  welche  am  Reformationsfeste
  die  Feier  des  protestantischen  Gottesdienstes
stdren  sollten,  wie  auch  bei  den  Drohbriefen  an  einen  protestantischen
  Prediger,  ihn  auf  der  Kanzel  zu  erschießen.
Uebrigens  konnten  dergleichen  ohnmächtige  Spucke  des  Unsinns
  oder  der  thörichten  Wuth  die  Feier  des  hochwichtigen
Festes  keinesweges  schwächen,  obschon  Leipzig,  hinsichtlich
dieser  Fcier,  die  Residenz  bei  weitem  hinter  sich  zurückließ.
Heftige  Reibungen  aber  verursachte  die  unternommene  Auflösung
  der  Nationalgarde.  Viele,  die,  so  lange  dieses  Institut
  bestanden,  sich  nur  mit  Widerwillen  diesem  Dienste
gefügt  und  dessen  Beschwerden  bei  weitem  übertrieben  hatten,
  begannen  in  dem  Augenblicke,  wo  dasselbe  sich  auflösen
und  sie  heraustreten  sollten,  es  plötzlich  lieb  zu  gewinnen,
betrachteten  diese  Auflösung  als  eine  Beschimpfung,  und  weigerten
  sich  sehr  stürmisch,  derselben  zu  gehorchen.
Bedenklicher  und  gefährlicher  für  die  öffentliche  Ruhe
sollte  ein  anderer  Uumstand  werden.  In  Dresden.  hatte  sich
aus  verschiedenen  Ständen,  namentlich  aus  Gewerbtreibenden,
ein  sogenannter  Bürgerverein  gebildet,  der  auf  einem  Kafseehause
  sich  versammelte  und  seine  anfangs  harmlosere  und
zweckmäßigere  Tendenz,  die  der  Geselligkeit  und  verständigen
Besprechung  über  vaterländische  Angelegenheiten,  allmällg  in
den  Charakter  eines  politischen  Ultraismus  ausarten  ließ.
Der  Verein  erließ  öffentliche  Einladungen  an  die  Gemeindevertreter,
  um  gemeinsame  Wünsche  mit  ihnen  zur  Sprache
und  zur  Berathung  zu  bringen;  wogegen  die  Regierungsbehörde
  am  26.  März  1831,  mittelst  einer  Verfügung,  die