Wiederholte  Unruhen.  599

Augenblick,  doch  entbrannte  nach  einigen  Stunden,  theils
auf  dem  Markte,  theils  auf  dem  Antonsplatze  vor  dem  Wilsdruffer
  Thore,  der  Kampf  von  neuem;  hinter  dem  Verschlage
eines  großen  Bauplatzes  hervor  gaben  die  Tumultuanten
sogar  Feuer  auf  das  Militair,  und  nur  allmälIg  konnten  die
einrückenden  Truppen  die  Ruhe  wiederherstellen.  Dieselben
  bivouaquirten  auf  dem  Markte  und  blleben  in  der
Stadt,  welche  während  dieser  Zeit  sich  in  einem  Belagerungsstande
  befand.  Die  Verhaftungen  mehrten  sich  mit
jedem  Tage,  und  die  Namen  der  Schuldigen  wurden  bekannt
gemacht;  jugleich  aber  suchten  der  König  und  der  Prinz-Mitregent
  durch  einen  Anschlag  die  Gemüther  der  Besseren  zu
beruhigen,  indem  sie  versicherten:  „daß  die  dem  Volke  gegebenen
  Zusagen  gewissenhaft  erfüllt  und  keines  seiner  Rechte
ihm  entzogen  werden  solle.“  Von  mehrern  Städten  des
Königreiches  gingen  Adressen  an  die  Fürsten  ein,  worin  der
Unwille  über  die  stattgefundenen  Ereignisse  sich  aussprach.
Der  etwas  vorlaute  Ton  der  von  Leipzig  erlassenen  Adresse
—  welche  sich  geberdete,  als  sey  die  geheiligte  Person  des
Konigs  in  der  Hauptstadt  nicht  mehr  sicher,  und,  unter  dringendem
  Anrathen  großtmoglichster  Strenge,  das  konigliche
Haus  einlud,  seinen  Aufenthalt  nach  Leipzig  zu  verlegen  —
erregte  in  Dresden  Unwillen  und,  als  bald  darauf  in
Leipzig  eben  so  bedeutende  Unruhen  ausbrachen,  spöttische
Bemerkungen.  Schon  am  30.  August  hatte  in  Leipzig  die
Weigerung  eines  Theiles  der  Communalgarde,  die  ihr  angewiesene
  neue  Wache  zu  beziehen,  gewaltsame  Auftritte  und
endlich  gar  ein  offenes  Handgemenge  zur  Folge,  in  welchem
ziemlich  Viele  getbdtet  und  verwundet  wurden.  Diese  Ereignisse
  in  den  beiden  Hauptstädten  des  Landes  zogen  zahlreiche
  Untersuchungen  und  Verurtheilungen  nach  sich  Die
Urtheile,  welche  jedoch  nirgend  über  Festungs=  und  Zuchthausstrafe
  hinaus  gingen,  wurden  bekannt  gemacht;  nicht
so  die  Ergebnisse  der  Untersuchung;  daher  über  manche
Puncte  und  lrsachen  dieser  beklagenswerthen  Vorfälle  noch
ein  Dunkel  waltet,  das  der  historischen  Motivirung  hemmend
  entgegen  tritt.