Innere  Verhaͤltnisse  der  neuesten  Zeit.  611

hohen  Werth  unsere  Fürsten  auf  den  Eintritt  der  neuen
Verfassung,  mit  welchem  eine  neue  Aera  in  dem  innern
Staatsleben  des  Königreiches  Sachsen  beginnt,  legen,  und
darin  eine  neue  Bestätigung  ihres  ernsten  Willens,  die  weitere
  Ausbildung  dieser  Grundlage  zu  angemessenen  Institutionen
  in  unserm  öffentlichen  Leben,  zum  Glücke  des  ihnen
anvertrauten  Volkes  moglichst  zu  fördern,  erblicken.“

Die  Wahlen  hatten,  wie  vorauszusehen,  zu  manchen
Weitläusigkeiten  geführt,  die  sich  freilich  nicht  umgehen  ließen,
  da  nur  bei  gewissenhafter  und  strenger  Durchführung
der  angenommenen  Formen  sich  eine  feste  Grundlage  gewinnen
  ließ.  Das  Wahlgesetz  selbst  bedurfte,  wie  im  Verlaufe
seiner  Anwendung  sühlbar  wurde,  noch  mancher  Ergänzung;
auch  bot  die  Güterschätzung  der  Wählbaren  manche  Schwierigkeit.
  Doch  ließ  man  sich  von  diesen  umumgänglichen
Hemmungen  nicht  entmuthigen,  sondern  schritt  ordnend  und
sichtend  dem  Ziele  näher.  So  kam  man  endlich  mit  den
Wahlen  zu  Stande,  und  eine  Bekanntmachung  vom  22.
December  berief  die  Stände  auf  den  22.  Januar  1833.
Jum  Püääsidenten  der  ersten  Kammer  hatte  die  Regierung
den  Landesältesten  der  Oberlausitz,  von  Gerêdorf,  erwählt;
Präsident  der  zweiten  Kammer  wurde  der  Abgeordnete  des
Bauernstandes,  General  von  Leyßer.  Der  Landtag  wurde
am  27.  Januar  auf  eine,  in  mancher  Hinsicht  der  früheren
ahuliche,  feierliche  Weise  erdffnet;  doch  richtete,  was  früher
nicht  der  Fall  gewesen,  der  König  vom  Throne  herab  einige
bewillkemmende  Worte  an  die  Stände,  und  der  Staatsminister
  v.  Lindenau  wies  sodann  in  seiner  Rede  auf  die  Aufgabe
  des  Landtags  hin,  den  Geist  und  Sinn  der  Verfassung
  auf  das  gesammte  Staatbleben  überzutragen  und  das
neue  Gebäude  so  fest,  ruhig  und  vernunftgemäß  zu  begründen,
  daß  jede  künftige  Ständeversammlung  nur  darauf  forkzubauen
  habe;  worauf  der  Präsident  der  ersten  Kammer  eine
kurze  Anrede  an  die  Fürsten  richtete.  Da,  während  dies
geschrieben  wird,  der  Landtag  erst  seit  wenigen  Wochen  zu
seinem  schon  länger  erwarteten  Schlusse  gelangt  ist,  so  moͤchte
es  eben  so  voreilig  scheinen,  als  zwecklos  seyn,  schon  jetzt

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