614  Innere  Verhaͤltnisse  der  neuesten  Zeit.

die  elastische  Natur  manches  Gegenstandes  zu  einer  unverhofft
  umfassenden  und  erschoͤpfenden  Eroͤrterung,  theils
hielten  auch  eine  Menge  von  Gesuchen  und  Beschwerden
einzelner  Individuen,  welche  bei  den  Kammern  eingereicht  wurden,
  dieselben  in  ihrer  Thätigkeit  auf,  so  daß  das  Ende
dieses  Landtages  freilich  binnen  geraumer  Zeit  nicht  abzusehen
  war.  Eine  mathematische  Berechnung  der  Dauer
war  auch  bei  einer,  an  so  viele  Umstände  gebundenen  Verhandlung
  nicht  moͤglich  gewesen;  doch  durfte  man  sich  nicht
verhehlen,  daß  hin  und  wieder  auch  das  zu  große  Mittheilungsbestreben
  einzelner  Mitglieder  und  ihr  häufiges  Wiederdurcherdrtern
  des  bereits  Gesagten  sich  schleppend  an  den  Gang
der  Verhandlungen  hing.  Die  Kammern  selbst  mochten  dieses,
  aber  auch  die  Unmoglichkeit  einsehen,  in  der  Weise  der
Verhandlungen  selbst  abkürzende  Veränderungen  treffen  zu
können,  und  beide  vereinigten  sich  doher  in  dem  Wunsche,
minder  wichtige  Berathungsgegenstände  auszuscheiden  und
dadurch  Zeitgewinn  und  Abkürzung  des  Landtages  zu  erlangen.
  Demgemäß  machte,  ohne  daß  es  zu  einem  ständischen
Beschlusse  gekommen  war,  die  Regierung  den  Vorschlag,  einen
  gemeinschaftlichen  Ausschuß  beider  Kammern  zu  Berathung
  dieser  Angelegenheit  zu  bilden.  Die  erste  Kammer
war  mit  diesem  Vorschlage  einverstanden;  aber  die  zweite
schlug  sich  —  wie  man  zu  bemerken  glaubte,  mit  einsger  Empfindlichkeit
  gegen  die  erste  Kammer,  welche  zuerst  diesen
Gegenstand  ausgenommen  hatte  —  zu  der  entgegengesetzten
Ansicht,  in  jeder  Kammer  einen  eigenen  Ausschuß  zu  wählen,
welche  offene  Spaltung  die  Reglerung  veranlaßte,  ihr  Decret
  zurückzunehmen.

Der  Schluß  dieses  Landtageb  fand  am  30.  Octbr.  1834
unter  den  gebuhrenden  Feierlichkeiten  statt.  Im  Thronsaale
fanden  sich,  nebst  den  Staatsministern  und  dem  diplomatischen
  Corps,  die  Mitglieder  der  Ständeversammlung  ein,
woselbst  der  König  in  Person  ihnen  seinen  Dank  sagte:
„  daß  durch  ihre  ktreue  Mitwirkung  Seine  Wönsche  für  des
Landes  Wohlfahrt  in  Erfüllung  gegangen.“  Die  der  Danksagung
  des  Konigs  sich  anschliessende  Rede  des  Staatsmini-