39  Il.  Die  Vorbedingungen  für  das  höhere  Lehramt.

neueren  Sprachen  in  Bayern  sein.  Ihre  erste  mündliche  Prüfung  erstreckt
sich  auf  eine  Übersetzung  und  eine  in  französischer  bezw.  englischer  Sprache  zu
gebende  Erklärung  eines  prosaischen  oder  poetischen  Stückes,  auf  die  Erprobung
der  Kenntnisse  in  der  Literaturgeschichte  des  16.  bis  19.  Jahrhunderts  und
auf  die  Grundzüge  der  Phonetik.  Die  zweite  mündliche  Prüfung  soll,  nach
einem  Kolloquium  über  die  zugelassene  wissenschaftliche  Arbeit,  erhärten  Kenntnisse
  der  Kandidaten  im  Altfranzöschen  und  Altenglischen,  Kenntnisse  in  der
Geschichte  und  Theorie  der  Pädagogik  und  solche  in  der  Geschichte  der  neueren
Philosophie,  besonders  der  französischen  und  englischen.  —  Und  noch  weniger
umfassend  brauchen  die  Kenntnisse  der  Prüflinge  für  Mathematik  und
Physik  zu  sein.  $  34  für  die  erste  mündliche  Prüfung  lautet:  „In  der  mündlichen
  Prüfung  werden  den  Kandidaten  Fragen  aus  den  mathematischen  Gegenständen
  der  schriftlichen  Prüfung  und  aus  den  Grundzügen  der  Physik  gestellt.“
Die  Gegenstände  der  schriftlichen  Prüfung  aber  sind:  algebraische  Analysis  und
Algebra,  einschließlich  der  Gleichungen  3.  und  4.  Grades,  Planimetrie,  Stereometrie,
  ebene  und  sphärische  Trigonometrie,  Elemente  der  Differential-  und
Integralrechnung,  analytische  und  synthetische  Geometrie  der  Kegelschnitte,
Elemente  der  darstellenden  Geometrie.  —  Die  zweite  mathematische  Prüfung  in
Bayern  geht,  wie  die  übrigen,  von  einem  Kolloquium  über  die  wissenschaftliche
Arbeit  aus,  sie  bezieht  sich  dann  auf  Analysis,  Geometrie,  analytische  Mechanik
und  Physik,  wobei  der  Kandidat  eine  weitergehende  Ausbildung  zeigen  soll.
Außerdem  haben  die  Kandidaten  Beweise  ihrer  Studien  über  Pädagogik  und
Geschichte  derselben  abzulegen.  In  der  Philosophie  werden  diese  mathematischen
Kandidaten  gar  nicht  geprüft.

So  bildet  offenbar  in  Bayern  die  zweite  Prüfung  die  Hauptstation,  umgekehrt
  bekanntlich  in  Württemberg.  Nur  in  zwei  Richtungen  gabelt  sich  die
Prüfung:  Für  das  humanistische  Lehramt  (Lateinisch,  Griechisch,  dazu  notwendig
als  drittes  Hauptfach  Deutsch,  oder  Französisch  oder  Geschichte)  und  die  Prüfung
für  das  realistische  Lehramt.  Diese  zweite  Richtung  zerfällt  wieder  in  eine
mathematisch-naturwissenschaftliche  und  in  eine  sprachlich-geschichtliche,  aber
bei  der  zweiten  Dienstprüfung  haben  die  Mathematiker  und  Naturwissenschaftlichen
  im  Französischen  und  Englischen,  die  Kandidaten  für  die  neueren  Sprachen
in  Arithmetik  und  Planimetrie  und  in  elementarer  Physik  ein  Examen  nachzumachen,
  so  daß  also  notwendig  in  der  Prüfung  für  das  realistische  Lehramt
zusammengehören,  um  in  norddeutsch-preußischer  Art  zu  reden,  für  die  Neusprachler
  vier  Hauptfächer:  Deutsch,  Französisch,  Englisch,  Geschichte  oder
Geographie,  dazu  zwei  Nebenfächer:  Arithmetik,  Planimetrie  und  elementare
Physik,  und  für  die  Mathematiker  drei  Hauptfächer:  Mathematik,  Mechanik,
insbesondere  Mechanik  starrer  Elemente,  Physik,  dazu  als  notwendiges  Nebenfach
Chemie  und  in  der  zweiten  Dienstprüfung  Französisch,  Englisch  (ungefähr  entsprechend
  einer  preußischen  Nebenfakultas);  für  die  Naturwissenschaftler:
Chemie,  Mineralogie  mit  Geologie,  Botanik,  Zoologie,  dazu  Nebenfach  Mathematik
und  Französisch,  Englisch,  worin  sie  sich  in  der  zweiten  Prüfung  examinieren
lassen  müssen.