43  II,  Die  Vorbedingungen  für  das  höhere  Lehramt.

der  letzteren  stehen,  nicht  regelmäßig,  zu  praktischen  Versuchen  zur  Verfügung;
die  Leitung  wird  geteilt  zwischen  dem  Universitäprofessor  und  dem  Anstaltsleiter,
  der  in  Sachsen  bekanntlich  den  Titel  „Rektor“  führt.  Dies  Seminar
heißt  übrigens  „Königliches  pädagogisches  Seminar“;  neben  ihm  hatten
und  haben  noch  einige  Universitätslehrer  ihre  eigenen  Seminare  in  Leipzig,  an
denen  mehr  Theologen  und  Volksschullehrer  als  Oberlehrerkandidaten  ausgebildet
  werden,  und  zwar  oft  bloß  theoretisch.  ?)

Ort  und  Art  dieses  Vorbereitungsdienstes,

In  den  meisten  Ländern  ist  die  praktische  Ausbildung  durchaus  eng  mit
dem  Unterrichtsbetriebe  an  höheren  Schulen  verbunden,  d.  h.  die  „Seminare  zur
praktischen  Ausbildung  der  Kandidaten  des  höheren  Lehramts“  sind  Gymnasialseminare,
  nur  an  drei  Stellen  ist  diese  Ausbildung,  allerdings  nur  zum  Teil,  mit
Universitäten  verknüpft:  in  Baden,  Sachsen-Weimar  (Jena)  und  im  Königreich
  Sachsen  (Leipzig).  In  Jena  besteht  an  dem  Gymnasium,  unter  Leitung
des  Direktors,  ein  Seminar  und  zugleich  ein  pädagogisches  Univezsitätsseminar;
die  Teilnahme  an  dem  letzteren  scheint  aber  doch  nicht  unbedingt  nötig  zu
sein,  denn  $  2A  lautet:  „diesem  Zweck  dient  der  Eintritt  der  Kandidaten  in
das  mit  dem  Großherzoglichen  Gymnasium  in  Jena  verbundene  und  von  dem
Direktor  geleitete  Gymnasialseminar  und  —  der  Regel  nach  —  die  Teilnahme
  an  den  Übungen  des  Universitätsseminars“.  Also  Ausnahmen  sind  gestattet,
  und  es  kann  vorkommen,  daß  das  Jenaische  Universitätsseminar  von
irgend  einem  Kandidaten  nicht  besucht  wird.

In  Preußen  kann  man  jetzt  im  allgemeinen  zwei  Arten  von  Ausbildungsseminaren
  unterscheiden:  Die  Seminare  der  Provinzialschulkollegien  und  die
Gymnasialseminare.  Die  ersteren  haben  hier  und  da,  z.B.  in  Halle  und  Göttingen,
noch  einige  Verbindung  mit  der  Universität,  sonst  geben  sie  ihre  Mitglieder
zur  Ausbildung  an  die  höheren  Schulen  ab;  so  daß,  wie  selbstverständlich  bei
den  Gymnasialseminaren,  die  rein  praktische  Vorbildung  ebenso  im  Schuldienst
geschieht.  Der  einzige  Unterschied  zwischen  den  Seminaren  der  Provinzialschulkollegien
  und  den  andern  preußischen  wäre  also  der,  daß  auf  jenen  die
theoretische  Ausbildung  die  Provinzialschulräte  in  erster  Hand  haben,  auf
diesen  Bildung  in  Theorie  und  Praxis  von  den  Anstandsleitern  allein  ausgeht
und  daß  dort  die  Mitglieder  unter  doppelter  Leitung  stehen,  hier  unter  einfacher.
  Solcher  Seminare  der  Provinzialschulkollegien  sind  in  Preußen,  wenn
man  das  „Königl.  Institut  zur  Ausbildung  von  Lehrern  der  neueren  Sprachen“

1)  Über  die  Seminare  zur  praktischen  Ausbildung  der  Oberlehrerkandidaten,  über  die
Geschichte  dieser  praktischen  Ausbildung,  sowie  über  diese  selbst  in  Preußen  und  in  anderen
such  außerdeutschen  Ländern,  ebenso  wie  über  die  einzelnen  Seminare  handelt  bekanntlich
sehr  ausführlich  W.  Fries,  die  Vorbildung  der  Lehrer  für  das  Lehramt  (Handbuch  der
Erziehungs-  und  Unterrichtslehre  von  Dr.  A.  Baumeister.  Bd.  2.  1.  Abt.  München  1895).
Hier  findet  man  auch  Einzelheiten  über  das  Leipziger,  Jenaische  Seminar,  auch  über  die
Preußischen;  weswegen  die  vorliegende  Darstellung  von  einigen  Details  absehen  und  sich
auf  die  von  Fries  gelieferten  beziehen  kann.  Eine  Vergleichung  zwischen  den  staatlichen
Ordnungen,  wie  hier,  ist  auch  dort  nicht  gegeben.