184  Ill.  Das  höhere  Lehramt.

bar,  aber  es  mußte  in  dem  besseren  das  Prädikat  „vorzüglich“,  nicht  bloß,  wie
später  und  jetzt,  „gut“  erreicht  worden  sein  $  7  (Wiese-Kübler  $.  78).

1882  $  12,  3  war  auch  bloß  ein  einziger  Lehrgegenstand  durch  einen
anderen  zu  ergänzen,  eine  Erleichterung  fand  wieder  darin  statt,  daß  die
Leistungen  in  diesem  nur  „gut“  zu  sein  brauchten.  Nach  1892  wurden  bekanntlich,
  wie  auch  jetzt,  zwei  Klassen  von  Fächern  unterschieden;  innerhalb
der  ersten  Gruppe  (Deutsch,  Lateinisch  usw.)  ist  nur  je  ein  nicht  genügender
Gegenstand  durch  einen  anderen  guten  zu  ergänzen;  in  der  anderen  Gruppe
(Religion,  Geschichte,  Physik,  Französisch  bezw.  Chemie)  sollen  mehrere  miteinander
  ausgeglichen  werden,  wobei  ausnahmsweise  über  Mängel  in  jener  zweiten
Gruppe  auch  ohne  Kompensation  einfach  hinweggesehen  werden  kann.

Es  läßt  sich  nicht  abstreiten:  zu  dem  Zwange  einer  Ausgleichung  ist  die
Vermehrung  der  Zahl  der  auszugleichenden  mangelhaften  Gegenstände  gekommen,
besonders  gegen  1882,  und  damit  ist  die  Möglichkeit,  die  Prüfung  zu  bestehen,
jetzt  wieder  bei  uns  größer  geworden  und  wird  in  allen  den  Staaten  größer
sein,  welche  unsere  obligatorische  Kompensationsmethode  nachahmen.
In  Österreich,  wo,  wie  gesagt,  ein  Ausgleich  nicht  vorhanden  und  die  Wiederholungsprüfung
  nur  ausnahmsweise  erlaubt  ist,  bleibt,  wenigstens  dem
Reglement  nach,  die  Maturitätsprüfung  am  schwersten.  Mag  man  dabei  auch
in  Anschlag  bringen,  daß  hier  in  einem  nur  achtklassigen  Lehrgange  die  Wochenstundenzah]
  natürlich  geringer  ist  als  bei  uns  (Latein  50,  Griechisch  28,  Deutsch
26,  aber  dazu  4  philosophische  Propädeutik,  Mathematik  24!)  gegen  68,  36,
26,  34),  die  Postulate  in  der  Prüfung  selbst  sind,  abgesehen  von  der  Mathematik,
durchaus  nicht  geringer.  Anderseits  muß  man  hinzurechnen,  um  wieviel  intensiver,
energischer  in  Österreich  der  Unterricht  selbst  sein  kann  von  Amtsgenossen,
die  zwar  im  Gehalte  hinter  uns  zurückstehen,  aber  bei  viel  kleinerer  Pflicht
stundenzahl  immer  lebendiger  und  frischer  bleiben;  dies  zeigt  ein  mir  vorliegendes
  Programm  von  1902,  aus  dem  hervorgeht,  daß  einer  der  jüngeren
Professoren  (Oberlehrer)  dort  nur  15  Stunden  erteilt,  andere  16,  17,  ja  nur  14,
der  Direktor  (von  achtklassigen  Schulen)  nur  5.

Dem  österreichischen  Staate  steht  dann  Sachsen  nahe,  wo  eine  zulässige
Kompensation  nur  in  einem  Fache  gestattet  ist  und  wo  ein  „Ungenügend“  im
Deutschen  die  Reife  ausschließt,  während  in  Elsaß-Lothringen  auch  nur  ein
ungenügender  Gegenstand  gegen  einen  anderen  kompensiert  werden  darf,  aber
ein  einzelnes  „Ungenügend“  nicht  prohibitiv  wirkt;  und  zu  dieser  Gruppe  gehören
  wohl  auch  solche  Staaten,  wo  zwar  in  mehreren  Gegenständen  kompensiert
  werden  kann,  aber  das  „Ungenügend“  in  einem  die  Nichtreife  bedingt,
das  ist  Bayern  und  Baden,  wo  für  das  Deutsche,  Württemberg,  wo  für  das
Lateinische  ein  Ausgleich  unmöglich  ist.2)  Doch  wir  wollen  nicht  fortfahren
die  deutschen  Stasten  zu  schulmeistern;  man  möge  es  uns  zugute  halten  mit

I)  Nach  Baumeister,  Die  Einrichtung  und  Verwaltung  des  höheren  Schulwesens  usw.
S.  273  sind  die  obigen  Zahlen  für  Österreich  angegeben.

9)  Eine  schlaffe  Praxis  natürlich  mag  solche  Hindernisse  leicht  unwirksam  machen,
manche  wollen  deshalb  von  solchen  „Sperrforte“  nichts  wissen.