—  18  —

ein  Jahr  später  Kompagniechef  im  Infanterieregiment  Nr.  21,
das  damals  in  seiner  Heimat,  in  Thorn,  lag.  Trotz  der  schnellen
  Karriere,  auf  die  Falkenhayn  schon  zurückblicken  konnte,
ruhte  nicht  der  Tatendrang  und  Ehrgeiz  des  jungen  Offiziers,
und  kurz  entschlossen  nahm  er,  um  seine  Kenntnisse  und  Erfahrungen
  zu  erweitern,  im  Jahre  1896  „mit  Aussicht  aus  Wiederanstellung“
  seinen  Abschied  aus  dem  aktiven  preußischen
Heeresdienst,  um  nach  China  zu  gehen,  wo  damals  deutsche
Militärinstrukteure  Gelegenheit  zur  Betätigung  fanden.  Der
außere  Anlaß  für  Falkenhayn,  die  Reise  nach  dem  fernen
Osten  anzutreten,  mag  wohl  darin  gelegen  haben,  daß  sich
Lihungtschang,  der  im  Jahre  1901  in  Peking  verstorbene,  bekannte
  chinesische  Staatsmann  und  Feldherr,  entschlossen  hatte,
mit  allen  Mitteln  eine  Reorganisation  der  chinesischen  Armee
in  die  Wege  zu  leiten  und  zu  diesem  Zwecke  für  die  Ausbildung
  der  Truppen  tüchtige  Offiziere  aus  den  verschiedenen
Kulturstaaten  Europas  nach  China  berief.  Erich  von  Falkenhayn
  verstand  es,  dank  seiner  glanzenden  Fähigkeiten,  sich  auf
dem  neuen  Felde  seiner  Tätigkeit  eine  hervorragende  Stellung
zu  gründen,  die  es  ihm  nicht  nur  möglich  machte,  erfolgreich
für  seinen  exotischen  Patron  zu  wirken,  sondern  auch  sich
Kenntnisse  anzueignen,  die  seinem  Vaterlande  und  ihm  selbst
noch  später  reichliche  Früchte  tragen  sollten.  Nachdem  er  drei
Jahre  lang  in  China  geweilt  hatte,  kehrte  er  in  seine  Heimat
zurück,  wo  er  bald  hernach  zum  Major  à  la  suite  des  Generalstabes
  ernannt  wurde.  Kurze  Zeit  darauf  sehen  wir  ihn
wieder  im  Großen  Generalstabe  tätig.

Das  Jahr  1900  stellte  den  damals  noch  nicht  vierzig  Jahre
alten  Offizier  vor  eine  Reihe  schwerer  Aufgaben,  die  Erich
von  Falkenhayn  durch  seine  zielbewußte  Tatkraft  mit  ebenso
viel  Geschick  wie  Glück  löste.  Kaum  daß  er  nämlich  in  den
Großen  Generalstab  versetzt  worden  war,  kam  er  auch  schon
zum  Generalstab  des  14.  Armeekorps,  wo  er  aber  ebenfalls
nicht  lange  blieb.  Denn  als  die  im  Jahre  1899  in  China  ausgebrochene
  Boxerbewegung  immer  weiter  um  sich  griff  und