lange  Jahre  hindurch  au  den  militärischen  Erfolgen  und  dem
häuslichen  Glück  ihres  Sohnes  zu  sonnen.  Als  sie  am  6.  Mai
des  Jahres  1895  starb,  stand  ihr  Sohn  bereits  an  der  Spitze  des
1.  Garde-Regiments  zu  Fuß  und  hatte  seine  Beförderung  zum
Generalmajor  in  naher  Aussicht,  und  seinem  am  22.  September
  1877  mit  Frieda  Freiin  von  Esebeck  geschlossenen  Ehebund
waren  bis  dahin  schon  die  vier  Töchter  Sophie,  Margarethe-Charlotte,
  Friederike  und  Elisabeth  sowie  ein  Sohn  Eberhard
entsprossen.  Ein  zweiter  Sohn,  den  er  Wilhelm  nannte,  wurde
Herrn  von  Kessel  erst  vier  Jahre  nach  dem  Tode  seiner  Mutter
am  29.  Januar  1899  geboren.

Bevor  Gustav  von  Kessel  auf  die  Ritterakademie  nach  Liegnitz
  kam,  besuchte  er  hintereinander  die  Gymnasien  in  Posen,
Danzig  und  Oppeln.  Seine  militärische  Laufbahn  begann  er
beim  1.  Garde-Regiment  zu  Fuß,  in  das  er  im  Mai  des  Jahres
1864  im  Alter  von  18  Jahren  eintrat.  Im  darauffolgenden
Jahre  wurde  er  Sekondeleutnant,  in  welcher  Eigenschaft  er  auch
die  Feldzüge  von  1866  und  1870/71  mitmachte.  Bei  St.  Privat,
nordwestlich  von  Metz,  wo  eine  deutsche  Heeresabteilung  gegen
den  rechten  Flügel  der  Franzosen  kämpfte  und  diesen  so  schlug,
daß  sich  Bazaine  hinter  die  Forts  zurückziehen  mußte,  wurde
von  Kessel  —  es  war  in  den  Tagen  zwischen  dem  14.  und  dem
18.  August  —  schwer  verwundet.  Außer  der  zurückgebliebenen
Narbe  erinnert  ihn  auch  das  Eiserne  Kreuz  zweiter  Klasse,  mit
dem  ihn  der  Kaiser  auszeichnete,  an  jene  ruhmvollen  Tage.  Nachdem
  von  Kessel  1872  Premierleutnant  geworden  war,  ging  er
auf  die  Kriegsakademie,  die  er  zwei  Jahre  lang  besuchte,  bis  er
1875  zum  Generalstab  kommandiert  wurde.  Vom  Jahre  1876
an  mußte  er  wieder  Frontdienst  bei  seinem  Regiment  machen,
bei  dem  er  auch  1879  zum  Hauptmann  avancierte.  Er  führte
zuerst  die  7.  Kompagnie  und  nachher,  von  1882  an,  die  Leibkompagnie.
  Im  März  des  Jahres  1883  wurde  er  persönlicher
Adjutant  des  damaligen  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm,  in
welcher  Stellung  er  auch  als  Major,  der  er  1885  wurde,  bis
zum  Tode  des  nachmaligen  Kaisers  Friedrich  III.  verblieb.  Aber

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