—  71  —

Ebenso  wie  Tirpitz,  Pohl  und  Müller,  diese  hervorragenden
  Führer  unserer  ausgezeichneten  Marine,  ist  auch  Hans
von  Koester  bürgerlichen  Geblütes.  Erst  in  späten  Jahren  ist
er  von  Kaiser  Wilhelm  zur  Anerkennung  seiner  Verdienste  um
die  Kaiserliche  Marine  in  den  Adelsstand  erhoben  worden.  Der
Vater  unseres  Großadmirals  war  der  bekannte  dramatische
Dichter  Dr.  Hans  Koester,  dessen  Werke  um  die  Mitte  des
vorigen  Jahrhunderts  lange  Zeit  hindurch  die  deutschen  Bühnen
beherrschten.  Auch  die  Mutter  des  Großadmirals  hatte  sich
einen  weithin  bekannten  Namen  gemacht;  sie  war  die  berühmte
Opernsängerin  Luise  Schlegel,  die  nahezu  durch  zwanzig  Jahre
seit  1844  als  Königliche  Kammersängerin  in  Breslau  und
Berlin  erfolgreich  wirkte  und  lange  Zeit  hindurch  der  Liebling
des  Publikums  war.

Am  29.  April  1844  wurde  Hans  Koester  junior  zu  Schwerin
  geboren.  Nachdem  er  das  Friedrich-Wilhelm-Gymnasium
in  Berlin  absolviert  hatte,  trat  er  am  26.  Juni  1859  als  Kadettaspirant
  in  die  damals  preußische  Marine  ein.  Seine  praktischen
  Borddienste  tat  er  zu  Anfang  auf  der  „Amazone“,  wo  er
seine  erste  seemännische  Ausbildung  erhielt.  Auch  besuchte  er  das
Seekadetteninstitut  in  Berlin,  bis  er  am  1.  April  1861  Seekadett
  wurde.  In  dieser  Eigenschaft  tat  er  Dienst  auf  verschiedenen
  Schiffen  der  heimatlichen  Gewässer.  Erst  im  Jahre  1863
kam  er  auf  die  „Gefion“,  die  eben  eine  Reise  nach  Westindien
antrat.  Als  Koester  von  dieser  Reise  zurückkam,  wurde  er  wieder
zum  Seekadetteninstitut  nach  Berlin  kommandiert,  wo  er  bis
zum  April  1864  blieb.  Am  19.  Juli  desselben  Jahres  erfolgte
seine  Beförderung  zum  Leutnant  zur  See.  Er  fand  nun  Verwendung
  auf  den  Schiffen  „Viktoria“,  „Grille“  und  „Skorpion“,
bis  er  im  Oktober  des  Jahres  1865  als  Platzmajor  nach  Kiel
versetzt  wurde.  Im  Januar  des  nächsten  Jahres  wurde  er  nach
Konstantinopel  kommandiert,  um  dort  auf  dem  deutschen  Stationsschiff
  „Delphin“  als  wachhabender  Offizier  Dienst  zu  tun.
Als  die  „Delphin“  durch  das  Schiff  „Prinz  Adalbert“  abgelöst
wurde,  kam  er  in  der  gleichen  Eigenschaft  auf  dieses  Schiff.  Bald