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Aber  Bayerns  Königsgeschlecht  mag  sich  auch  eines  treuen
Volkes  rühmen,  wie  es  viele  Fürskenhäuser  —  freilich  meist  aus
eigener  Schuld  —  nicht  können.  Kein  einziges  Blatt  in  der
langen  Geschichte  unsers  Vaterlandes  ist  von  dem  Volke  der
Bayern  mit  Empörung,  mit  Fürstenmord,  mit  Hochverrath  befleckt.
  Nie  zögerten  die  Bayern,  die  Waffen  zu  ergreifen  auf
ihrer  Fürsten  Geheiß,  aber  ungeheißen  erhoben  sie  sich  für
ihr  Regentenhaus.  Darum  sagt  der  Schweizer  Zschokke:  „Ein
deutsches  Volk  uralten  Stamms,  freudig,  tapfer,  redlich;  der
Welt  durch  Uebermacht  nie  furchtbar;  in  seinen  Siegen  mehr
durch  eignen  Muth  als  durch  Natur  beschirmt;  oft  Fremden
unterwürfig,  oft  sie  beherrschend;  immer  von  gewaltigen  Nebenbuhlern
  umlagert;  beinah  von  jedem  Sturm  der  europäüschen
Welt  getroffen;  dennoch  unvernichtbar,  in  eigenthümlicher  Gemüthskraft
  seit  Jahrtausenden  ein  ehrwürdiges  Dasein  zu  unsern
Tagen  herübertragend:  das  ist  das  bayrische  Volk.“

An  Bayerns  Felsenthoren  im  Süden  steht  die  Benediktenwand
  (6118  Fuß  hoch),  eine  der  schönsten  Alpenhöhen,  von
wo  aus  sich  die  Aussicht  weithin  über  das  Bayerland  öffnet.
Von  da  aus  hat  nach  der  Sage  der  heilige  Benedikt,  von
Italien  herwandernd,  zuerst  Bayern  geschaut  und,  vom  Geiste
bewegt,  die  Segensworte  gesprochen:  Benedicta  sis  Bavarial

Dieser  Segen  ist  geblieben  über  dem  Lande.  Wie  viele
Reiche  und  Völker  sind  nicht  verschwunden  seit  den  Tagen  der
Völkerwanderung!  Von  allen  Völkern,  die  vor  fast  zweitausend
Jahren  jener  Sturm  gegen  den  Süden  getrieben:  beinahe  die
Bayern  allein  haben  ihren  Namen,  ihre  Unabhängigkeit,  ihre
Sprache  bewahrt.  Von  all  den  deutschen  Stämmen,  welche  in
uralter  Zeit  nach  dem  Blachfelde  von  Frankfurt  am  Main  gezogen
  sind,  um  den  Kaiser  zu  wählen:  die  Bayern  allein  haben
ihre  nationale  Selbständigkeit  gerettet.  Von  den  sechs  großen
Stammherzogthümern,  die  sich  einst  in  die  germanische  Erde

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