88
2—

#

11

getheilt  haben:  Bayern  allein  hat  sich  als  Staat  erhalten  seit
den  Tagen  Garibalds  des  Asdilolfingers  (555)  über  dreizehnhundert
  Jahre  lang.

Wir  haben  nicht  Raum  für  die  alten  Sagen,  welche  man
die  Urgeschichte  Bayerns  zu  nennen  beliebt,  und  die  Jahrhunderte
  oder  Jahrtausende  vor  Christus  spielen.  Die  Mähre  von
Bellowes  und  Sigowes  übergehend  halten  wir  uns  an  geschichtlich
  Beurkundetes.  Es  wird  doch  nie  erfragt  werden,  wie  jene
unübersehbaren  Ebenen  und  Gebirge,  welche  mittagwärts  von
der  schiffbar  gewordenen  Donau  gegen  Italien  hinliegen  —  der
Bayern  uralte  Sitze  —  zuerst  bevölkert  worden  sind.  Denn
kein  Lied,  kein  Steinbild  urkundet  von  jenen  Tagen,  wo  das
rohe  Geschlecht  der  Menschen  nur  dem  Gelüste  des  Augenblicks
fröhnte.  Dennoch  ist  mit  dem  Fortschritt  der  historischen
deutschen  Sprachwissenschaft  bereits  erwiesen,  daß  sich  das
bayrische  Volk  seine  Herkunft  nicht  von  einem  fremden,  schon
frühe  durch  verschiedene  Unfälle  zersplitterten  Volke  (den  Kelten)
zu  erbetteln  braucht.  Die  Bayern  sind  kein  zufällig  zusammengekommener
  Haufe.  Die  Wurzel  ihres  Stammbaums  ist  ein
gewaltiges  Volk,  ein  urdeutsches  Volk.  Ebenso  wenig  wurzelt
der  deutsche  Name  Bayer  in  keltischen  Lauten.  Der  Bayern
Väter  sind  die  Markomannen,  vor  denen  selbst  das  weltbeherrschende
  Rom  gezittert  hat.)

Von  jeher  hat  ein  entferntes  Alterthum  auf  die  Neugier
der  Sterblichen  seinen  Zauber  behauptet.  Allein  die  ersten
Jahrhunderte  der  Geschichte  Bayerns  seit  Christus  sind  in
Dunkel  gehüllt,  obwohl  Bayern  mehrere  hundert  Jahre  vor
Kaiser  Karl  dem  Großen  ein  freies,  unabhängiges  Reich  war.
Und  Garibald  I.,  der  Agilolfinger,  welcher  um  das  Jahr  555

1)  Bgl.  Zeuß,  „Die  Herkunft  der  Bayern  von  den  Markomannen
gegen  die  bisherigen  Muthmaßungen“  (München,  1839);  Glück,  „Die
neueste  Herleitung  des  Namens  Bayer  beleuchtet“  (München,  1864).