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Bayer,  und  in  jenen  Tagen  war  König  der  Deutschen  und
König  der  Bayern  ganz  dieselbe  Sache.  Hundert  Jahre  lang,
bis  zum  Aussterben  der  Karolinger  in  Deutschland  (911),  begründete
  jeder  Sprosse  dieses  Geschlechts  seinen  Beruf:  König
der  Deutschen  zu  sein,  darauf,  daß  er  König  der  Bayern  war.
Bezeichnend  ist  es,  daß  eine  Sage  Karl  den  Großen  in  Bayern
geboren  und  erzogen  werden  läßt.!)  Wenn  man  damals  anhub:
„Zum  Königreich  Bayern  gehört“  —  da  mußte  man  tiefer  Odem
schöpfen  als  heutzutage.  Außer  dem  jetzigen  Ober-  und  Niederbayern
  gehörten  noch  dazu:  Tirol  bis  Trident,  das  jetzige  Niederund
  Oberösterreich,  Kärnthen  mit  Krain,  Steyermark,
das  ungarische  Tiefland  zwischen  den  Flüssen  Drau  und
Sau  bis  zu  deren  Mündung  in  die  Donau,  und  endlich  der
Nordgau.  Dieser  war  zur  Karolinger-Zeit  ein  weites  Gebiet,
stieß,  im  Osten  an  den  Böhmerwald,  im  Norden  an  den  Thüringerwald,
  im  Westen  an  die.  fränkische  Saale  und  an  den
Spessart,  im  Süden  an  die  Donau.  Regensburg  war  die
Hauptstadt  von  Bayern  und  Deutschland.

Obwohl  Bayern  nach  dem  Aussterben  der  Karolinger-Könige
  wieder  ein  Herzogthum  war,  blieb  es  dennoch  das  Fundament
  deutscher  Herrschaft  und  gab  jetzt  (1002)  in  der  Person
seines  Herzogs  Heinrich  IV.  selbst  dem  deutschen  Reiche  einen
Kaiser,  der  an  seinen  Namen  das  Andenken  der  seltensten  per-)

  Die  großartige  Sage,  wie  Europa  den  Wiedererwecker  des  römischen
  Kaiserthums  aus  Bayern  empfing;  wie  die  Königstochter  von  Karlingen,
  die  schöue  Bertha,  auf  ihrer  Brautfahrt  zu  dem  Frankenkönige  Pipin
von  dessen  bösem  Hofmeister  mit  seiner  eigeren  (des  Hofmeisters)  Tochter
vertauscht  und  dem  Tode  geweiht  und  nur  durch  die  Barmherzigkeit  der
Kriegsknechte  am  Leben  erhalten  wird;  wie  sie  dann  Zuflucht  findet  bei
dem  Müller  auf  der  Reismühle  bei  dem  aten  Heidenort  Gauting;  wie  sie
Pipin,  verirrt  auf  der  Jagd,  findet  und  erkennt;  wie  sie  ihm  dann  das
rechte  Degenkind,  Karl  den  Großen,  gebrren:  das  Alles  ist  in  prächtigen
Wandgemälden,  die  der  König  Max  II.  von  Bayern  als  Kronprinz  ansführen
ließ,  in  dem  Schlosse  Hohenschwangan  zu  sehen.

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