—  –

16

Gelegenheit,  seine  Macht  zu  brechen.  Obwohl  aber  von  den
Welfen,  so  lange  sie  Bayern  besaßen,  keiner  den  deutschen  Thron
bestiegen  hat,  so  ist  doch  niemals  Deutschland  näher  daran  gewesen,
  in  Bayern  aufzugehen,  als  damals.  Kaiser  Friedrich
  I.,  genannt  der  Rothbart,  aus  dem  Hause  Hohenstaufen,
suchte  Bayerns  Uebergewicht  zu  mindern,  indem  er  davon  die
Ostmark  oder  Ostbayern  abriß  und  als  ein  selbständiges  erbliches
  Herzogthum  Oesterreich  den  ihm  blutsverwandten  Babenbergern
  übergab  (1156),  welche  nun  ihren  Sitz  von  dem  Kahlenberge
  weg  nach  Wien  verlegten.  Dennoch  hat  Heinrich  der
Löwe  das  verkleinerte  Bayern  zum  Kernland  eines  Vasallenstaates
  gemacht,  der  von  den  Grenzen  Dänemarks  bis  zum
Kirchenstaate  in  Italien  hin  sich  streckte  und  mit  den  Hohenstaufen-Kaisern
  einen  Riesenkampf  einging.  Wahrlich,  nur  ein  Geschlecht,
wie  die  Hohenstaufen,  vermochte  die  Aufrichtung  eines  bayrischwelfischen
  Königthums  zu  hindern,  gegen  dessen  Macht  kein  anderer
  deutscher  Fürst  hätte  aufkommen  können.

Wegen  ihrer  Uebermacht  mußten  die  Bayern-Herzoge  das
Opfer  der  Rache  werden.  Heinrich  X.  erlag  der  Menge  seiner
Feinde.  Die  Kaiserkrone  war  ihm  nur  entgangen,  weil  er  es
verschmähte,  sich  darum  bei  den  Fürsten  zu  bewerben.  Als  sein
großer  Sohn,  Heinrich  der  Löwe,  dem  Kaiser  die  im  Uebermaß
  verlangten  Dienste  versagte,  ward  auch  die  Rache  des  Hohenstaufen
  übermäßig.  Vergebens  hatte  der  bayrische  Herzog  die
Herrschaft  und  das  Ansehen  Deutschlands  geschützt  oder  erweitert,
die  Unruhen  gestillt  und  dem  Kaiser  Länder,  Rechte,  Würden,
ja  selbst  das  Leben  bei  einem  Sturz  vom  Pferde  gerettet.  Unversöhnliche
  Feinde  werden  seine  Ankläser,  niedrige  Neider  seine
Richter.  Und  wo  sich  die  Verschlagenbeit  der  Männer  erschöpft,
eilt  die  List  der  Weiber  zu  Hülfe.  Oeinrichs  Name  wird  geächtet,
  seine  Verdienste  sind  vergessen  seine  reichen  Länder  werden
  ihm  entrissen.  So  stirbt  er  dem  einsam,  wie  der  Löwe  in

“