gezogen  hat.  So  schlug  Herzog  Ludwig  der  Strenge  von
Oberbayern  die  auf  ihn  gefallene  Kaiserwahl  aus  und  lenkte  sie
gegen  alles  Herkommen  auf  einen  einfachen  Grafen  —  Rudolf
von  Habsburg,  der  wohl  Güter  in  der  Schweiz,  aber  kein  Landbesaß
  und  kein  Reichsfürst  war.  Ihm  wurde  denn  auch  1273
die  deutsche  Krone  zu  Theil,  nicht  mehr  so  strahlend  als  in  frühern
Zeiten,  aber  noch  glänzend  geung,  um  das  Geschlecht  der  Habsburger
  zu  einem  weithin  leuchtenden  zu  machen.  Meinte  doch
der  gute  Bischof  von  Basel  wegen  der  unverhofsten  Ebren,  zu
denen  Rudolf  gekommen,  Gott  selbst  sitze  vor  diesem  nicht  ruhig
auf  dem  Stuhl.  Der  Mann  ahnele  freilich  nicht,  daß  nur  die
Furcht  vor  einem  mächtigen  Könige  die  Reichsfürsten  zur  Erwählung
  des  habsburgischen  Grasen  bewogen  hat;  jene  wollten
ja  eigentlich  nur  „einen  Präsidenten  ihrer  Republik.“)
Heinrich,  Herzog  von  Niederbayern,  der  Bruder  Ludwigs
des  Strengen,  und  der  Böhmenkönig  Ottokar  II.  erklärten  die
Erwählung  Rudolfs  für  ungültig,  weil  sie  nicht  mitgestimmt

1)  Es  ist  Brauch  worden  —  sagt  der  berühmte  Professor  Daniel  zu
Halle  —  vor  dem  Kaiserbilde  Rudolfs  in  feiernder  Bewunderung  und  in
überschwänglichem  Preise  zu  verweilen.  Mit  Rudolf  hört,  von  wenigen  Ausnahmen
  abgesehen,  die  großartige  weltumspannende  Aussassung  der  Kaisermacht
  und  der  Kaiserwürde  auf.  Mit  Rudolf  beginnt  die  lange  Reihe  der
Kaiser,  die  vor  allem  darauf  ausgehen,  durch  vortheilhafte  Heirathen,  Lehenseinziehungen
  2c.  sich  eine  Hausmacht  zu  schaffen.  Ein  Mehrer  des  Reichs
ist  der  Ahuherr  der  Habsburger  nicht  gewesen.  Er  hat  des  Reiches  Rechte
in  Italien  auf  das  päpstliche  Gebiet  von  Radicofani  bis  Ceperano  ausgegeben,
  die  Provence,  dieses  Paradies  Frankreichs,  an  seine  Tochter  Clementia
als  Heirathsgut  verschenkt  und  allen  Ansprüchen  des  Reichs  auf  dieses  lieb—
liche  Land  entsagt.  Aber,  so  hören  wir  erwiedern,  Rudolf  hat  nur  ausgegeben,
  was  überhaupt  nicht  mehr  zu  halten  war,  und  als  eine  durch  und
durch  verständige  Natur  auf  Ideale  und  Phantome  verzichtet,  um  den  wirklichen
  Bestand  sicher  zu  stellen.  Wäre  dem  Allen  so:  es  wäre  klug,  kaufmännisch,
  aber  nimmermehr  groß  gedacht,  und  die  Geschichte  hätte  wenig
begeisternde  Gestalten,  wäre  solche  Denkweise  auf  den  Höhen  der  Menschheit
die  allgemeine.  Doch  so  verzweifelt  war  des  Reiches  Lage  nicht:  es  that
nur  noth,  daß  ein  großer  Sinn  unter  Karls  des  Großen  Krone  arbeitete.

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