36

Drittes  Rapitel.
Bauerns  Zerrültung  und  Aeugeslallung.

Neq  dem  Aussterben  der  bayrischen  Linie  der  Wittelsbacher
  fiel  Bayern  an  die  pfälzische,  und  der  Kurfürst  Karl
Theodor  von  der  Pfalz,  der  letzte  Sprosse  des  Zweiges
Sulzbach,  ward  nun  auch  Kurfürst  von  Bayern.  Den  Erbverträgen
  gemäß,  welche  der  „gute  Max“  mit  Karl  Theodor
abgeschlossen,  mußte  dieser  seine  Residenz  in  München  nehmen.
So  sind  Bayern  und  die  Pfalz  vereinigt  worden  und  bildeten
ein  ansehnliches  Ländergebiet.

Karl  Theodors  mehr  als  zwanzigjährige  Regierung  in
Bayern  ist  ein  düsteres  Gemälde  von  ununterbrochenen  groben
Verfündigungen  gegen  die  Volksthümlichkeit  der  Bayern  und
gilt  als  Muster  einer  schlechten  Staatsverwaltung.  Seine  erste
Regierungshandlung  war  der  Versuch  Bayern  an  Oesterreich,
wie  eine  schlechte  Waare,  zu  verhandeln  —  seinen  außerehelichen
Kindern  zu  Liebe.  Und  später  hat  er  dies  Vorhaben  noch  öfter
zu  verwirklichen  gesucht.  Nur  das  Einschreiten  Preußens  mit
Waffengewalt  und  die  ernsten  Drohungen  Rußlands,  welche
Mächte  in  ihrem  eigenen  Interesse  die  Vergrößerung  Oesterreichs
  in  Deutschland  verhindern  mußten,  nur  die  Mißgunst  derselben
  retteten  Bayern  vor  dem  kläglichen  Schicksal,  durch  seinen
„Landesvater“  an  Oesterreich  verkaust  zu  werden.  Doch  erlangte
dieses  von  Bayern  das  Innviertel,  einige  vierzig  Quadrat-Meilen
herrlichen  Landes.

Karl  Theodor  liebte  die  Weiber  und  die  Pracht.  Als  die
Schwächen  dem  alternden  Manne  den  Genuß  der  Liebesfreuden
nicht  mehr  erlaubten,  ward  er  ein  Frömmler.  Er  bedurfte  so
manche  Absolution.  Im  einen  und  im  andern  Falle  war  ihm
keine  Zeit  mehr  übrig  geblieben,  für  das  Wohl  des  Volkes  zu

—#

W
·  .-,