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Thorheit,  sich  als  siebzigjährigen  Greis  mit  einer  neunzehnjährigen
österreichischen  Prinzessin  in  zweiter  Ehe  zu  vermählen,  hatte
er  keinen  ehelichen  Leibeserben  erlangt,  und  die  Nachfolge  in
Pfalz-Bayern  stand  nun  dem  nächsten  wittelsbachischen  Agnaten,
dem  seitherigen  Herzog  Maximilian  Joseph  von  Zweibrücken
zu,  der  als  appanagirter  Prinz  von  Birkenfeld  am  Hofe  seines
Oheims  von  Männern  erzogen  worden,  die  dem  bessern  Geist
einer  neuen  Zeit  huldigten.  Seine  Jugend  hatte  der  Thronerbe
im  französischen  Heeresdienste  zugebracht.  Schon  daß  er  „Max“
hieß,  erfüllte  die  Bayern  mit  Hoffnung  auf  bessere  Tage.

Noch  nie  ward  ein  Regent  in  Bayern  mit  so  allgemeinem
Jubel  ausfgenommen  als  der  Stammvater  des  jetzigen  Königsgeschlechts.
  Groß  waren  die  Forderungen  des  Volkes  an  Max,
gränzenlos  das  Vertrauen,  daß  er  ihnen  genügen  werde.  Es
war  nicht  jene  gewöhnliche,  nur  zu  oft  trügliche  Hoffnung,  welche
gedrückte  Völker  bei  dem  Wechsel  ihrer  Despoten  immer  belebt:
die  Hoffnung  der  Bayern  stützte  sich  auf  Thatsachen  und  gegründete
  Kombinationen.)

Am  12.  März  1799  zog  der  Kurfürst  in  die  Hauptstadt

2)  „Eine  Rose  auf  die  Urne  des  Unvergeßlichen.“

3)  „Patriotische  Thränen  bei  dem  höchst  betrübten  Leichenzuge
weiland  2c.,  geweint  von  einem  biedern  Baier.  Mit  Bewilligung
  des  churfürstlichen  hochlöblichen  Büchercensurkollegiums.“
  —  Eitel  Pöbelwahn  zu  glauben,  die  Race  solcher
Patrioten  sei  jetzt  ausgegangen.

1)  Volksfreundliches  Betragen  und  liberale  Grundsätze  hatten  dem
neuen  Kurfürsten  schon  früher  die  Liebe  der  Bayern  erworben.  Man  wußte,
daß  er  eine  halbe  Million  Gulden,  die  ihm  Oesterreich  schon  vor  sechs  Jahren
für  die  etwaige  Verzichtleistung  auf  Bayern  anbot,  mit  Verachtung  ausgeschlagen,
  gerade  so  wie  sein  älterer  Bruder,  der  wilde  Karl  von  Zweibrücken,
die  ihm  angetragene  ganze  Million  abgewiesen  hatte.  Das  bayrische  Volk
hatte  seit  einem  Jahrhundert  keinen  Regenten  mehr  gehabt,  dem  Familien-=glück
  zu  Theil  geworden.  Dem  neuen  Regenten  aber  blühten  häusliche
Freuden.  Er  hatte  bereits  zwei  Söhne,  und  man  hoffte  nicht  ohne  Grund,
daß  ein  Fürst,  dem  Familienglück  beschieden  ist,  sich  mit  dem  Lande  um  so
inniger  verbinden  werde.