—
51
—  —  —

—té

dazu  einzuprägen,  daß  es  zu  einem  eigenen  Gefühle,  zu
eigener  Denkweise  werde.  Darauf  werde  gehalten,  daß
mein  Sohn  sich  wirklich  beschäftige,  seine  ganze  Aufmerksamkeit
  auf  einen  Gegenstand  anhaltend  richten  lerne.
Auf  Wahrheit  werde  unerbittlich  strenge  gehalten.  Obgleich
du  mir  angenehm  klingt,  soll  dennoch  bewirkt  werden,  daß
Max,  wenn  ich  zurückkomme  nur  Sie  zu  mir  sage,  wenn
es  schon  gegen  andere  Väter  rathsam  ist,  bestehet  dieses  um
so  mehr  gegen  den  fürstlichen  Vater,  der  wahrscheinlich
einstens  Herrscher  wird,  den  König  und  Vater  vereinigend.
Die  Sinne,  Ohr  und  Augen,  vornehmlich  letztere,  sollen
auf  Spaziergängen  einstimmen,  und  nur,  daß  es  meinem
Sohne  Freude  gewährt,  geübt  werden.  Wenn  mein  Sohn
Griechisch  und  Latein,  was  von  Lichtenthaler,  Englisch,  was
von  Ihnen  wird  gelehrt  werden,  beginnen  soll,  wie  überhaupt,
was  andere  Unterrichtsgegenstände  betrifft  und  von  wem
solche  vorzutragen,  werde  ich  künftig  bestimmen,  der  ich  meine
Zufriedenheit  mit  Ihnen  wiederholt  bezeuge  und  meine
Freude,  Maciver  gefunden  zu  haben.

Würzburg,  6.  Oktober  1817  den  Abend  vor  meiner  Abreise

Ludwig,  Kronprinz.
Ueber  drei  Jahre  blieb  Mac-Jver  als  Erzieher  bei  dem

Prinzen  Max.  Da  aber  ein  solcher  Beruf  mit  mancherlei
Beschwerden  und  persönlichen  Beschränkungen  verbunden  ist,
entsagte  Mac-Jver  demselben  und  ward  provisorisch  durch  den
Hofbibliothekar  Lichtenthaler,  einen  Protestanten,  ersetzt,  von
dem  der  Kronprinz  Ludwig  eine  gar  hohe  Meinung  hatte.  Der
Kronprinz  hatte  nämlich  noch  spät  angefangen,  die  Sprache  des
Homer  zu  erlernen,  wobei  ihm  Lichtenthaler  Unterricht  ertheilte.

Lichtenthaler  galt  für  einen  gelehrten  Mann,  aber  ihm

mangelte  die  äußere  Feinheit  des  Benehmens,  das  Chevalereske

*

4*