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den  Bosporus  war  unter  einem  großen  mit  Blumengewinden
und  Flaggen  aller  Nationen  gezierten  Zelte  die  Tafel  von  siebenzig
  Gedecken  bereitet.  Es  war  herrliches  Wetter.  Während
der  Mahlzeit  spielte  die  Musikbande  des  russischen  Admiralschiffs
die  beliebtesten  Opernmelodien.  Nach  der  Tafel  begann  ein  Ball,
zu  dem  vierhundert  Personen  geladen  waren.  Der  Tanzsaal
war  mit  den  bayrischen  Farben  —  eine  zarte  Aufmerksamkeit
des  Hauswirths  —  geschmackvoll  drapirt.  Als  der  Kronprinz
das  traute  Blauweiß  weit,  weit  weg  vom  Vaterlande,  am  Rande
Asiens  erblickte:  da  packte  es  sein  Herz  mit  Rührung  und
machte  alle  Erinnerungen  an  die  Heimath  darin  erklingen.

S'ist  so  schön  im  fremden  Lande,

Dennoch  ist's  die  Heimath  nicht.

Die  rauschende  Freude  des  Festes  duldete  keine  langen
Betrachtungen.  Bunt  war  die  Gesellschaft  gemischt.  Da  sah
man  die  gravitätischen  Gestalten  der  türkischen  Minister  und
Großwürdenträger,  tändelnde  Diplomaten  von  allen  enropäischen
Höfen,  häßliche  russische  Generale  und  Admirale  und  schöne  üppige
Damen  die  Hülle  und  Fülle.  Der  Kronprinz  tanzte.  Es  war
eine  paradiesische  Nacht.  Schon  streute  im  Osten  die  Morgenröthe
  ihre  Rosen  über  die  Gewässer,  als  die  Ballgäste  sich  trennten.

Am  21.  Juni  fuhr  der  Kronprinz,  einer  Einladung  des
Sultans  folgend,  mit  glänzender  Begleitung  nach  dem  Schlosse
Beilerbei,  das  sich  am  Bosporus  hinter  dem  Vorgebirge
Defterdar  erhebt.  Diese  Audienz  ist  das  erste  Beispiel  einer
Zusammenkunft  des  Sultans  mit  einem  enropäischen  Fürsten
und  merkwürdig  wegen  des  dabei  beobachteten  Ceremoniells.
Die  türkische  Garde  war  dem  Ufer  der  Meerenge  entlang  aufgestellt
  und  die  höchsten  Palastbeamten  des  Sultans  kamen  dem
Kronprinzen  bis  an  das  äußerste  Hofthor  entgegen  und  führten
ihn  in  das  Gemach  des  Großwessirs.  Hier  wurden  ihm  und
den  Vornehmsten  seines  Gefolges  kostbare  mit  Brillanten  be-·


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