12

–—.–  –

setzte  Tabakspfeifen  und  Kaffee  in  reich  mit  Edelsteinen  verzierten
  Schalen  gereicht.  Alsdann  erfolgte  die  Einladung  in
den  Audienzsaal  einzutreten,  wo  der  Beherrscher  der  Gläubigen,
Mahmud  II.,  den  Kronprinzen  von  Bayern  stehend  erwartete,
ein  Umstand,  der  bei  diplomatischen  Andienzen  unerhört  ist.
Mit  höchstem  Interesse  betrachtete  der  Kronprinz  einen
Herrscher,  welcher  den  Riesengedanken  gefaßt  hatte,  das  faule
Reich  der  Moslemin  umzuformen,  und  deßwegen  die  unbequemen
  Janitscharen  zu  Tausenden  hatte  niederschießen  lassen.
Dieser  Mann  richtete  sehr  freundschaftliche  Worte  an  ihn,  bedanerte
  seine  baldige  Abreise  und  bat  ihn,  sein  Bildniß  auf
einer  kostbaren  mit  Diamanten  reich  besetzten  Dose  als  Andenken,
so  wie  ein  Paar  Pferde  ächter  Race  als  Zeichen  seiner  freundschaftlichen
  Gesinnung  anzunehmen..)  Auch  befahl  er,  dem
hohen  Gaste  die  Gemächer  und  Gärten  des  Schlosses  zu  zeigen.
Zwei  Tage  darauf  verließ  Maximilian  auf  dem  „Francesco“
Konstantinopel.  Wieder  hatte  sich  der  Gesichtskreis  seines  Geistes
dort  erweitert.  Denn  er  sah  in  der  Schale  abendländidcher
Kultur  den  faulen  Kern  der  Barbarei  und  ein  verkommenes
Reich  in  einem  üppigen  Himmelsstrich.  Die  Ermattung  sah  er,
die  Furcht,  die  Trägheit,  die  Raserei  und  die  Wuth  des  Tigers
in  den  durch  Opium  entgeistigten  Menschen.  Er  gewahrte  den
Stolz  in  Lumpen  und  den  Schmutz  unter  Rosenhecken;  barbarische
Pracht  und  raffinirte  Wollust  neben  hundertjährigem  Moder
und  ewigem  Hunger.  Er  sprach  mit  einem  Herrscher,  vor  dem
seine  Großen  auf  dem  Bauche  kriechen  und  der  dennoch  zittert,
wenn  ihm  berichtet  wird,  die  Soldaten  fänden  das  Brod  un-1)

  Als  Gegengeschenk  ließ  der  Kronprinz  später  eine  kostbare,  in  der
Nymphenburger  Porzellanfabrik  gesertigte,  von  Heinzmann  gemalte  Vase  dem
Sultan  übersenden.  Auf  der  Vase  sah  man  alle  Wafsengattungen  der  bayrischen
  Armee  in  Linie  ausgestellt,  während  der  Feldmarschall,  der  Kronprinz
  und  die  ersten  Generale  mit  großem  Gefolge  im  Begriff  sind,  die
Truppen  zu  besichtigen.

b5êPh535
(64