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Wünftes  Anpitel.

SHohenschwangan.

—  Bogenschüsse  nördlich  von  der  prächtigen  Klippenreihe,
  welche  aus  der  Lechebene  emporsteigend  die  Außenwerke
der  rhätischen  Alpen  bilden,  ragt  ein  ungeheuerer  Block  rothen
Marmors.  Der  ist  reich  bewaldet,  indem  die  Tannen  in  dem
Steine  selbst  haftend  ihre  Wurzeln  bis  an  den  Rand  des  Sees
einbohren,  der  den  Fuß  des  Felsens  bespült.  Schon  die  Römer
thürmten  auf  dem  Hügelfelsen  eine  Warte.  Das  Mittelalter
baute  darauf  große  Burgen.  Die  letzte  Veste,  die  sich  erhalten
hat  im  Lauf  der  Zeiten,  war  der  Hauptort  des  dem  Hause
Welf  gehörigen  Bezirkes  und  kam  1191  an  die  Herzoge  von
Schwaben  aus  dem  Hause  Hohenstaufen;  von  diesen  1266
an  das  Haus  Wittelsbach.  Später  wechselten  die  Besitzer
vielfach.  Seit  den  Verwüstungen  durch  die  Tiroler-Insurgenten
  (1809)  immer  mehr  verfallend,  sollte  die  Veste  Schwanstein
  schon  auf  Abbruch  verlauft  werden,  als  sie  der  Fürst
Ludwig  von  Oettingen  Wallerstein  durch  Ankauf  vor  der  Vernichtung
  rettete.  Auch  der  letzte  Besitzer,  Topograph  Adolph
Sommer,  erhielt  sie  im  baulichen  Zustande.  Wie  bereits  erwähnt,
  kamen  die  königlichen  Prinzen  Maximilian  und  Otto
mit  des  letzteren  Erzieher,  dem  jetzigen  Bischof  Oettl  in  Eichstädt,
  und  mit  dem  sagenkundigen  Grafen  Pocci  auf  einer  Gebirgsreise
  Ende  April  1829  zum  Schwanstein.

Der  romantische  Punkt  entzückte  den  Kronprinzen.  Um
so  rührender  war  es  für  ihn,  in  den  Geschichtsstunden  zu  erfahren,
  so  erzählt  sein  Lehrer  Hormayr,  kein  Fleck  auf  der
gesammten  deutschen  Muttererde  vereinige  in  solchem  Maße  die
größten  Erinnerungen  der  Welfen,  der  Hohenstaufen  und  der
Schyren  oder  Wittelsbacher,  ja  sast  aller  großen  Umgestaltungen

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