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Das  Ganze  ward  ein  Tempel  deutscher  Kunst,  gewidmet  der
Heldenzeit  des  Mittelalters,  und  die  Zierde  des  bayrischen  Gebirgslandes.
  Alles  ist  da  von  Künstlerhand,  die  Wandgemälde,
die  Bildsäulen,  die  Hausgeräthe,  die  Brunnen,  die  Gartenanlagen.
  Alles  fteht  in  geschmackvollster  Harmonie  und  lobt  seines
Schöpfers,  des  Kronprinzen,  Kunstsinn.

An  den  Wänden  in  der  alten  Halle,  in  die  uns  der
Castellan  zuerst  einführt,  sind  Ritter  in  voller  Rüstung  dargegestellt;
  rund  um  hangen  Streitäxte,  Hellebarden  und  was  die
Menschen  sonst  noch  brauchten,  um  sich  den  Tod  zu  geben,  bis
der  garstige  Salpeter  die  Sache  summarischer  abmachte.  Die
alten  bemalten  Fensterscheiben,  die  dem  Lichte  lehren,  die  Dämmerung
  nachzuahmen,  verleihen  dem  Innern  eine  geheimnißvolle
Feierlichkeit.  Eine  Wendeltreppe  führt  von  der  Halle  zunächst
in  den  Rittersaal  im  obern  Stockwerk.  An  den  Wänden  ist
die  liebliche  Sage  vom  Schwanenritter  in  vier  Bildern  von
namhaften  Künstlern  dargestellt.  Es  liegt  nicht  im  Plane  unserer
Schrift,  eine  ausführliche  Beschreibung  des  Schlosses  zu  geben
—  auch  gibt  es  deren  schon  genug.  Mit  raschem  verständigen
Blick  auf  den  eigenthümlichen  Vorzug  der  Veste  ordnete  der
Burgherr  einen  Welfen-,  einen  Staufen=  und  einen  Schyrensaal.
  Ein  anderer  Saal  blieb  den  anziehendsten  Begebenheiten
  der  Lokalgeschichte  von  Schwangau  gewidmet,  andere  Gemächer
  wurden  der  bayrischen  Sage  insbesondere  und  dem
alten  Helden=  und  Ritterleben  überhaupt  zugewiesen.  Die  Wände
seines  Ankleidezimmers  ließ  der  Kronprinz  mit  Darstellungen
aus  seiner  Reise  im  Orient  schmücken.  Zur  Aufnahme  der
Landschaftsskizzen  von  Smyrna,  Troja,  Mitylene,  der  Dardanellen
  mit  dem  eben  vorüberrauschenden  Dampfer  „Fraucesco,"
von  Konstantinopel  und  der  Bucht  von  Bujukdere  am  Bosporus
ward  der  in  Rom  lebende,  aus  Murnau  gebürtige  Maler  Jakob
Widmer  in  den  Orient  geschickt.  Auch  die  Einfahrt  des  Kronl–

