93

—..————

der  Folge  von  der  allergrößten  Bedeutung  geworden,  obwohl
ihre  Entstehung  einiges  dem  Zufalle  verdankt.  Dr.  Julius
Hamberger,  der  bei  Schelling  Philosophie  gehört  hat,  schrieb
sich  die  Hauptsätze  aus  den  Vorlesungen  (1832)  zusammen  und
ließ  dann  auch  seinen  Freund,  Emil  Braun,  Abschrift  von  dem
Hefte  nehmen.  Im  Jahre  1833  wurde  Braun  bei  dem  archäologischen
  Institute  zu  Rom  als  Prosekretär  angestellt,  und  bei
ihm  bekam  der  Kronprinz  Max  das  Manusecript  zu  Gesichte
und  zum  Lesen.  Es  erregte  sein  Interesse  in  solchem  Maße,
daß  er  nach  seiner  Rückkehr  nach  Bayern  den  Philosophen  selbst
um  Unterricht  bat.  Schelling  fand  in  ihm  den  wißbegierigsten
Schüler  und  legte  seinen  Vorträgen  die  von  Hamberger  zusammengestellten
  Hauptsätze  zu  Grunde.  Seine  Vorträge  ließ
der  Kronprinz,  während  sie  ihm  gehalten  wurden,  aufzeichnen
  und  studirte  sie  sorgfältig.  Sie  machten  einen  bleibenden
Eindruck  auf  seinen  Geist,  der  durchdrungen  war  von  Hochschätzung
  für  die  deutsche  Philosophie.

Aber  nicht  bloß  sich  selbst  gab  der  Kronprinz  ernsten
Studien  hin,  sondern  unterstützte  sie  auch  in  andern.  Die  Arbeiten
  Maaßmanns  über  altgothische  Literatur  und  Sprache,
und  die  Beiträge  Ernst  Försters  (Leipzig  1835)  für  neuere
Kunstgeschichte  sind  Früchte  der  Reisen,  welche  diese  Gelehrten
im  Auftrag  des  Kronprinzen  unternommen  haben.  Und  gerade
zu  der  Zeit  war  einer  der  ausgezeichnetsten  jüngern  Gelehrten
der  Münchner  Schule,  der  jetzige  Universitätsprofessor  Müller,
auf  Kosten  des  Kronprinzen  in  Paris  über  Abulfeda  und  über
die  altpersische  Literatur  mit  Arbeiten  beschäftigt,  welche  die  erregten
  Hoffnungen  in  der  Folge  gerechtfertigt  haben.

Am  7.  Juni  1836  wurde  der  Kronprinz  in  den  Staatsrath
  eingeführt  und  nahm  fortan  lebhaften  Antheil  an  den
Berathungen.  In  der  Sommersaison  desselben  Jahres  verweilte
  er  aber  in  seinem  romantischen  Hohenschwangau,  den

k