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Die  Natur  that  ein  Gleiches.  Mehrere  Tage  hindurch
vor  des  Kronprinzen  Ankunft  tobte  der  Sturm,  das  Meer  in
seinen  untersten  Tiefen  aufwühlend  und  Schifse  an  der  Küste
zerschellend.  Vor  Kurzem  noch  hatte  der  Vesuv  Flammensäulen
von  fünfhundert  Fuß  Durchmesser,  eintansend  einhundert  Fuß
hoch  über  dem  Krater  auflodern  lassen,  Feuerbäche  von  Lava
an  seinen  Abhängen  niedergewälzt,  die  Gegend  meilenweit  in
der  Runde  mit  zolldicker  Asche  überschüttet  und  alles  Grün
unter  dem  grauen  Todtenhemde  verborgen.  Auf  einmal  glättete
der  Golf  von  Neapel  seinen  Wasserspiegel,  der  Vulkan  besänf—
tigte  den  unterirdischen  Groll,  seinen  Kegel  festlich  in  einen
weißen  Dunstmantel  hüllend,  und  der  Himmel  zeigte  sein  reinstes
Blau  und  die  campanische  Ebene  lachte  im  saftigsten  Grün,
ganz  frisch  vom  Regen  gewaschen.  In  den  Straßen  Neapels  toste
der  Carneval.  Da  ist  der  Kronprinz  von  Bayern  gekommen.

In  strengem  Incognito,  um  unbehelligt  von  der  gassenden
Menge  zu  sein,  labte  er  sich  an  den  Schönheiten  der  Natur
und  an  den  Genüssen  des  unvergleichlichen  Theaters  San  Carlo.
Aufmerlsam  studirte  er  Sitten  und  Gebräuche  des  Volles.
Dabei  besaß  er  das  seltene  Talent,  die  Sachen  an  sich  zu  betrachten
  unter  ihrem  eigenthümlichen  Gesichtspunkte.  Fern  von
deutscher  Philisterei,  welche  das  italienische  Leben  nach  deutschen
Verhältuissen  beurtheilt,  mit  komischer  Gewissenhaftigkeit  jeden
ausgestandenen  Flohbiß  verzeichnet,  wegen  Wirthshausprellereien,
die  auch  in  Deutschland  ganz  gut  gedeihen,  die  ganze  Nation
als  Beutelschneider  erklärt  und  wegen  jeden  Kothhaufens  in  den
Straßen  an  ihrer  deutschpolizeilichen  Aesthetik  beleidigt  wird  —
fern  von  solcher  Philisterei  hatte  der  Kronprinz  offene  Augen
für  die  landschaftliche  Herrlichleit  Italiens,  für  die  Klarheit
seines  Himmels,  für  des  Landes  geschichtliche,  wissenschaftliche
und  künstlerische  Bedeutung.  Es  entging  ihm  nicht,  daß  die
Italiener  ein  vernachlässigtes,  kein  schlechtes  Volk  seien.  Er