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vom  bayrischen  Hofe  entfaltete  Pracht  war  eine  königliche.  Die
Braut  erschien  in  einem  überaus  prachtvollen  reichen  Kleide.
Sobald  der  königliche  Zug  die  Kirche  betreten,  wurden  in  kurzen
Zwischenräumen  sechzig  Kanonenschüsse  abgefeuert.  Der  Trauungsakt
  begann  mit  einer  kurzen  Anrede  des  Erzbischofs,  während
welcher  die  Herrschaften  sich  auf  ihre  Sitze  niederließen.  Hierauf
erhob  sich  der  Hof  wieder,  und  der  Erzbischof  forderte  zum  Jawort
auf.  Der  Kronprinz  erbat  sich  die  Zusage  durch  eine  seinen
Eltern  zugewendete  Verbeugung,  der  König  machte  ein  bejahendes
  Zeichen,  und  der  Kronprinz  sprach  ein  lautes  freudiges  „Ja.“
Aehnliches  beobachtete  die  Kronprinzessin  gegen  ihre  eigenen
Eltern.  Die  geweihten,  von  dem  Erzbischof  dargebotenen  Ringe
steckte  sich  das  Brautpaar  wechselseitig  an.  Die  rechten  Hände
fügten  sich  in  einander.  Der  Erzbischof  umwand  diese  Hände
mit  der  Stola  und  knüpfte  das  eheliche  Band  mit  den  heiligen
  Segensworten.  Die  Feierlichkeit  schloß  mit  einem  imposanten
  Te  Deum  landamus,  begleitet  vom  Donner  des
Geschützes.

Nachdem  die  Glückwünsche  des  Hofes  im  Thronsaal  und
das  große  königliche  Bankett  vorüber  waren,  ward  der  Hofstaat
entlassen.  Hymenäus  zündete  seine  Fackel  an.

Die  Stadt  München  ließ  am  Hochzeitstage  die  Armen
speisen  und  die  Wochenalmosen  verdoppeln.  Die  israelitische
Gemeinde  bewirthete  alle  Militär=  und  Civilgefangenen,  damit
auch  in  den  Kerkern  die  Freude  des  Tages  wiederhalle.  Alle
Münchner  Blätter  brachten  an  diesem  Tage  Festgedichte.  Das
Münchner  Tagblatt  erschien  sogar  in  blauem  Papier  mit  einem
Onomastikon.

Am  folgenden  Tage  (13.  Oktober)  schwieg  die  lärmende
Freude.  Es  war  der  Todestag  des  Vaters  Max.  Aber  am
andern  Tage  zog  die  Hauptstadt  ihr  festlichstes  Gewand  an.
Seit  Menschengedenken  hatte  man  so  etwas  nicht  in  München