unzweifelhafter  Würdigkeit  nach  München  gesandt  wurden  und,
durch  öffentliche  oder  Privatmittel  ausgestattet,  am  16.  Oktober
daselbst  ihre  Hochzeit  feierten  —  fün  funddreißig  Paare.

Sonntag  Morgens  zehn  Uhr  zogen  die  Brautpaare  vom
Rathhaus  aus  nach  der  Michaelskirche  zur  Traunng.  Voraus
ein  Bannerträger  mit  der  Fahne  Münchens,  den  schwarzen
Mönch  im  goldenen  Felde,  und  dann  ein  Trupp  Bergschützen
von  Lenggries  und  Wackersberg,  über  hundert  Mann  mit
ihren  Spielleuten,  welche  die  Schwegelpfeife  bliesen  und  die
Trommel  rührten,  prächtige  Hochländer,  mit  rothen  Backen  und
buschigen  Schnurrbärten,  in  ruhiger  Haltung  mit  dem  sichern
Stutzen  einherschreitend,  in  grauen  Joppen  und  mit  grünbebänderten
  Filzhüten,  woran  die  Spielhahnfedern  nickten  und  der
Gemsbart  wehte.  Auf  die  Gebirgsschützen  folgten  die  fünfunddreißig
  Brautpaare  mit  ihren  Brautführern  und  Hochzeitladern,
Ehrenvätern  und  Ehrenmüttern,  Kranzeljungfern  und  Hochzeitsgästen.
  Einzelne  Genossenschaften  gingen  zu  Fuß,  andere  fuhren
  in  langen,  geputzten  Wagen,  die  von  vierschrötigen  Gäulen
gezogen  wurden.  Da  gab  es  viel  wunderliche  Trachten.  Manches
  Prachtstück,  das  seit  Urgroßvaters  Zeiten  im  dunkeln  Bauche
eines  Kastenungethüms  verwahrt  worden,  funkelte  nun  im  Sonnenglanze.


Aus  dem  farbenschillernden  Zuge  können  wir  nur  einzelne
Bilder  herausheben.  Zuerst  konimt  der  elegante  Wagen  der
Landeshauptstadt.  Darin  sitzen  hübsche  Münchnerinen,  jung
und  drall.  Wie  Schwalbennester  hängen  die  goldenen  und  silbernen
  Riegelhäubchen  auf  den  Köpfen,  und  die  Busen  werden  von
Miedern  zusammengepreßt,  an  deren  silbernen  Schnürketten  hundertjährige
  Heckthaler  baumeln.  Gar  seltsam  stach  von  den
Mädchen  Münchens  in  ihrer  neumodischen  städtischen  Zierlichkeit
die  Hochzeiterin  von  Schroben  hausen  ab,  die  in  alter  bäuerlicher
  Pracht  einherschritt,  die  Haare  gepudert  und  abwärts  mit

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