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Der  Kronprinz  ließ  den  fünfunddreißig  Bräuten  goldene
Ringe  reichen  mit  der  Inschrift:

„Heil  und  Segen  zum  16.  Oktober  1842  wünscht  der
Kronprinz  von  Bayern.“!)

Nachdem  der  ganze  Zug,  siebenhundertfünfzig  Personen,
vorüber  war,  führten  die  Brautleute  vom  Mistelgau  —  die
„Hummeln“  —  unter  Begleitung  ihrer  eigenthümlichen  Musik
einen  Tanz  nach  ihrer  Weise  auf  zum  großen  Ergötzen  der
erlauchten  Zuschauer.

Am  17.  Oktober  Morgens  begab  sich  der  ganze  Hof  nach
Regensburg,  wo  König  Ludwig  I.,  unter  Deutschlands  vielen
Fürsten  der  einzige  nationale  Fürst,  gleichsam  wie  ein  Priester
des  deutschen  Volksthums  den  trauernden  großen  Geistern  der
germanischen  Vorzeit  das  versöhnende  Gelübde  gelöst  hat.  Walhalla
  ist  der  gemeinsame  Tempel  des  zerrissenen  Vaterlandes.
Es  gab  kein  deutsches  Reich  mehr,  aber  an  Deutschland  glaubten
  wieder  Viele.

Nachdem  die  Neuvermählten  noch  der  Grundsteinlegung
zur  Befreiungshalle  auf  dem  Michaelsberge  bei  Kellheim  beigewohnt,
  trafen  sie  mit  der  gesammten  königlichen  Familie  am
20.  Oktober  Nachts  wieder  in  München  ein.  Zwei  Tage  später,
Mittags,  nahm  der  Kronprinz  an  dem  Festschießen  auf  der  Wiese
Theil.  Er  schoß  aus  dem  trefflich  gearbeiteten  Scheibenstutzen,
den  ihm  die  Schützengesellschaft  München  als  Hochzeitsgeschenk
überreicht  hatte,  und  bewährte  sich  als  sehr  guter  Schütze.  Am
25.  Oktober  aber  tanzte  er  mit  seiner  jungen  Gemahlin  auf
dem  von  der  Bürgerschaft  Münchens  im  Odeon  veranstalteten

!)  Jede  Braut  und  jeder  Bräutigam  erhielt  vom  Münchner-Magistrat
einen  Gedenkthaler  (drei  einen  halben  Gulden):  auf  der  einen  Seite  das
Brustbild  des  Königs,  auf  der  anderen  die  Brustbilder  des  Kronprinzen
und  der  Kronprinzessin,  mit  der  Umschrift:  „Maximilian,  Kronprinz  von
Bayern  und  Maria,  königl.  Prinzessin  von  Preußen,  vermählt  12.  Oktober
  1842.“

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