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bei.  Vor  dem  Schlosse  aber  standen  Tausende  froher  Menschen.
Die  Häuser  längs  des  Weges  von  München  dahin  waren  mit
Flaggen  und  Blumen  geschmückt  und  Abends  beleuchtet.  Am
folgenden  Abend  wurde  der  Kronprinz  bei  seinem  Erscheinen  im
Hoftheater  enthusiastisch  empfangen  —  als  Ausdruck  der  innigen
Theilnahme  des  Volkes  an  seinem  Vaterglücke.  Von  allen  Enden
Bayerns  her  kamen  die  Glückwünsche  der  Bewohner.  Der  König
und  der  Kronprinz  dankten  in  einer  öffentlichen  Erklärung.)
Letzterer  ließ  überdieß  dem  Bürgermeister  von  München  fünfzehnhundert
  Gulden,  die  hohe  Wöchnerin  tausend  Gulden  theils
zur  Dotation  von  Armenschulen  theils  zur  Vertheilung  an  Hausarme
  zustellen.

Mittlerweile  war  auch  der  preußische  Großvater,  Prinz
Wilhelm,  nach  Nymphenburg  gekommen  und  reiste  von  da  zur
Begrüßung  der  Kaiserin  von  Rußland  nach  Augsburg,  wohin
sich  der  Kronprinz  ebenfalls  begab.

Ihren  ersten  Kirchgang  hielt  die  Kronprinzessin  am  5.  Oktober
  in  der  protestantischen  Kirche  zu  München.  Nachmittags  besuchte
  sie  mit  dem  Gemahl  das  Oktoberfest.  Brausende  Hochrufe
empfingen,  begleiteten  und  folgten  ihr.  Beim  Einsteigen  fand
sie  den  ganzen  Wagen  bis  auf  die  Räder  mit  Blumengewinden
und  Schleifen  verziert.  Zwei  Tage  darauf  übergab  der  Finanzminister
  Graf  von  Seinsheim  im  Auftrage  des  Königs  als
Kindbettgeschenk  tausend  Stück  neu  geprägte  Dukaten  in  einer
silbernen  Kassette  auf  silberner  Platte  von  kunstreicher  getriebener
Arbeit.  Dann  aber  zog  es  die  glücklichen  Gatten  nach  Hohenschwangau
  in  den  Frieden  der  Berge.

Nachdem  die  Uebersiedlung  nach  München  am  21.  Dezember
  für  den  Winter  erfolgt  war,  nahm  der  Kronprinz  Antheil

1)  Zufolge  königl.  Verordnung  vom  15.  November  186  erhielt  der
neugeborne  Prinz  den  Titel  „Erbprinz,“  den  in  Zukunft  immer  der  älteste
Sohn  des  jeweiligen  Kronprinzen  führt.

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