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blähte  sich  eine  mächtig  lange  deutsche  Tricolore,  nicht  selten  die
Köpfe  der  frohen  Menschen  streifend.  Es  schien,  als  ob  der
Herbst  seines  ganzen  Blumenvorraths  beraubt  worden,  solche
Massen  Blumen  waren  verwendet.  Ein  Wald  von  Masten
stand  vom  Bahnhof  bis  an  das  Karlsthor,  und  in  den  Lüften
rauschten  die  plötzlich  zu  Ehren  gekommenen  deutschen  Fahnen,
und  in  den  Straßen  toste  die  Begeisterung,  und  von  den  Thürmen
läuteten  alle  Glocken  das  Verlobungsfest  Dentschlands  mit  seiner
staatlichen  Einheit  ein.  Abends  war  die  Stadt  beleuchtet  und
ein  Fackelzug,  imposant,  prachtvoll,  wie  vielleicht  nie  zuvor  einer
in  München  gesehen  worden,  nebst  Serenade  vor  der  königlichen
Residenz  schloß  die  Huldigungen,  welche  ein  dankbares  Volk
seinem  deutsch  gesinnten  Fürsten  darbrachte.

Zum  erstenmale  seit  langer  Zeit  redeten  die  stolzen  Völker
im  Westen  mit  Verwunderung  und  mit  einem  tröstlichen  Auflug
der  Eifersucht  von  einer  deutschen  Nation,  von  dem  Auferstehungstage
  dieses  Volkes,  das  man  todt  geglaubt  und  nun  seine
zerstreuten  Glieder  sammelte.  Aber  Preußen  hielt  sich  schmollend
ferne.  Ungehört  verscholl  wieder  in  dem  freudetrunkenen  Volke
Cassandra's  Warnung:

Geflügelt  diesen  Mauern
Seh'  ich  das  Verhängniß  nah'n.
Eine  Fackel  seh'  ich  glühen
Aber  nicht  in  Hymens  Hand.
Nach  den  Wolken  seh'  ich's  zichen,
Aber  nicht  wie  Opferbrand.
Feste  seh'  ich  froh  bereiten,
Doch  im  ahnungsrollen  Geist
Hör  ich  schon  des  Gottes  Schreiten,
Der  sie  jammervoll  zerreißt.

Noch  in  der  Nacht,  dic  auf  das  schöne  Fest  des  4.  September
  folgte,  zerriß  ein  furchtbarer  Sturm  den  Schmuck  der  bayrischen
  Hauptstadt.  zerfetzt  waren  die  Blumenguirlanden  und  die

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