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verwaschenen  Flaggen  hingen  steif  vor  Feuchtigkeit  in  die  Straßen
nieder  oder  lagen  wie  Lumpen  auf  den  Dächern.  Ein  frostig
trübseliger  Anblick,  eine  böse  Vorbedeutung.

Der  König  fühlte  sich  schwach,  sehr  schwach,  obwohl  er
den  Herbst  in  Berchtesgaden  zugebracht  hatte.  Zur  Erholung
wollte  er  den  Winter  in  Italien  zubringen.  Am  5.  Oktober
1863  reiste  er  Morgens  nach  Lindau  ab.  Die  Reiseroute  sollte
durch  die  Schweiz  und  das  südliche  Frankreich  nach  Marseille,
von  da  zur  See  bis  Civitavecchia  gehen.  Dem  in  der  königlichen
  Residenz  in  München  abfahrenden  Wagen  stürzte  sich  eine
Engländerin  entgegen,  die  den  Schutz  des  Königs  anflehte  und
nur  mit  Mühe  in  schonender  Weise  entfernt  werden  konnte.
Sie  war  mit  der  fixen  Idee  behaftet,  daß  ein  Mann,  von
ihrem  verschmähten  Freier  gedungen,  ihr  überall  hin  nachreise,
um  ihren  guten  Ruf  zu  Grunde  zu  richten.

Die  Landreise  über  Genf  und  Lyon  bis  Marseille  ging
gut  vor  sich.  In  Marseille  geschah  am  9.  Oktober  die  Einschiffung
  auf  dem  Dampfer  „Bastia,“  obwohl  die  See  schon
hohl  ging.  Bald  erhob  sich  ein  gewaltiger  Sturm,  in  Folge
dessen  der  König  von  der  Seekrankheit  in  heftigstem  Maße
befallen  wurde.  Am  11.  Oktober  befand  er  sich  in  einem  trostlosen
  Zustande.  Sein  Leben  stand  auf  dem  Spiele,  wenn  er
nicht  bald  an's  Land  gesetzt  werden  konnte.  Die  Augen  gläsern,
die  Stirn  mit  eiskaltem  Schweiße  fort  und  fort  bedeckt,  die
Dände  erkaltet,  der  Puls  kaum  fühlbar,  kurz  dieselben  Erscheinungen
  zeigten  sich,  welche  später  seinem  Tode  vorhergingen.
Die  angewendeten  ärztlichen  Mittel,  mehr  noch  die  Meldung
des  Kapitäns,  daß  er  in  einer  guten  Stunde  zu  ankern  hoffe,
riefen  die  fliehenden  Lebensgeister  des  Königs  zurück.  Als  endlich
die  Anker  gefallen  waren,  gingen  der  Kapitän  und  ein  erprobter
Diener  des  Königs  zunächst  bei  dem  Küstendorfe  Porto  San
Stefano  an's  Land,  um  dort  eine  Unterkunft  für  den  kranken

er