221

zurück.  Obschon  der  Weg  durch  das  neu  geschaffene  Königreich
Italien  führte,  das  der  König  nicht  anerkannt  hatte;  obgleich
er  die  diplomatischen  Beziehungen  mit  dem  Turiner  Hofe  hatte
abbrechen  lassen:  dennoch  wollte  und  konnte  er  sich  nicht  wieder
den  Gefahren  des  Seeweges  unterziehen.  Es  war  ihm  natürlich
peinlich  genug,  aber  die  Piemontesen  bewiesen  sich  delikat  und
zuvorkommend.  Am  10.  Dezember  übernachtete  er  in  Florenz,
am  11.  in  Bologna,  am  12.  in  Verona.  Am  15.  Dezember
ward  er  am  Bahnhof  von  der  Königin  umarmt  und  von  der
Bevölkerung  bewillkommt.  Er  zog  ein  in  die  Hauptstadt,  um
bald  da  seine  Leidens=  und  Sterbewoche  zu  halten.

Pritte  S  btheilung.
Die  Staatsmaximen  des  Königs  Max  II.

—-.—

ie  politische  Gesinnung  und  Denkweise  des  Königs  Max  II.
D  ist  von  jeher  von  den  verschiedensten  Standpunkten  und
immer  falsch  beurtheilt  worden.  Die  Einen  klammerten  sich  an
die  Voraussetzung,  der  König  sei  versunken  in  die  Ueberlieferungen
  einer  überwundenen  Zeit  und  ertheile  nur  Zugeständnisse
an  die  Anforderungen  der  Neuzeit  in  so  weit,  als  diese  Zugeständnisse
  ihm  abgenöthigt  würden.  Die  Andern  konnten  sich
nicht  von  der  Annahme  losmachen,  die  politische  Denkweise  des
Königs  sei  blos  von  den  speculativen  Ideen  der  Philosophen
getragen  worden,  und  nicht  an  ihm,  sondern  an  den  Zeitumständen
  habe  es  gelegen,  daß  er  nicht  Alles  das  mit  vollen
Händen  ausgestreut,  was  die  neueste  Philosophie  als  Erforderniß
der  Volksfreiheit  aufstellt.  Beide  Ansichten  sind  falsch,  und  mit