25

—e  ——.

natürliche  Folge  seiner  etwas  einseitigen  Erziehung.  Da  ihm
das  monarchische  Prinzip  zur  festen  wissenschaftlichen  Ueberzeugung
geworden  war,  so  konnte  er  sich  nicht  denken,  daß  das,  was  er
für  ein  Dogma  hielt,  in  anderen  geistig  hoch  begabten  Menschen
nicht  mit  derselben  Bestimmtheit,  wie  in  ihm,  fest  stehen  sollte.
Weil  nun  aber  die  Leiter  der  demokratischen  Bewegungen  für
geistig  Begabte  angesehen  oder  wenigstens  als  solche  geschildert
wurden,  so  sah  der  König  in  ihrem  Treiben  nur  Unlauterkeit,
ehrgeizige  Selbstsucht  u.  s.  w.  Darum  gestattete  er  in  solchen
Fällen  seinem  Herzen  keine  Berufung.

Als  die  Vorversammlung  deutscher  Deputirten  im  Frühjahr
  1848  sich  gleich  in  den  ersten  Tagen  ihres  Zusammentrittes
den  Charakter  einer  Constituante  beilegte  und  im  Geiste  einer
solchen  zu  handeln  begann,  war  der  König  betroffen  über  die
Erscheinung  und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil  die  Abgeordneten
der  Vorversammlung  von  ihren  Wählern  kein  Mandat  im  Sinne
einer  Vollmacht  für  Schaffung  einer  Constituante  haben  konnten.
Dieses  Befremden  des  Königs  über  jenes  Gebahren  wegen  der
demselben  mangelnden  Rechtsvoraussetzungen  zeigt,  daß  der  König
jedenfalls  lang  den  Glauben  nährte,  die  Bewegung  werde  sich
strenge  auf  dem  Boden  des  Rechtes  halten.  Es  beweist  aber
auch,  daß  der  König  gewohnt  war,  die  Dinge  unter  dem  Gesichtspunkte
  systematischer  Denkweise  zu  betrachten.  Denn  im  Gegensatze
  zum  König  hatten  die  Meisten  in  seiner  Umgebung  die
Geschichte  als  Grundlage  für  die  Beurtheilung  jener  Entwicklungsphase
  der  deutschen  Bewegung  genommen,  welche  sie  bereits  in
die  Fußtapfen  der  französischen  Revolution  eingetreten  sahen.

Das  Bewußtsein  von  der  Theorie  des  monarchischen  Princips
und  das  Festhalten  an  diesem  Princip  selbst  bildete  das  Fundament
  für  die  staatswissenschaftlichen  und  politischen  Auffassungen
des  Königs.  Der  Punkt  der  politischen  Gesinnung  durfte  in  der
Regel  bei  Vorschlägen  für  Anstellungen  und  Beförderungen  nicht

9*mt

—  —  —.  —  —  —

Müller,  König  Max  II.  15