seiner  Entschließungen  bildete,  so  grifsen  doch  andere  Faktoren
mächtig  ein.  Vor  allem  besaß  der  König  einen  gewissen  Regenten-Stolz.
  Er  hörte  es  nicht  ungern,  wenn  man  über  das  Alter
der  Dynastie  Wittelsbach  sprach  und  hervorhob,  daß  sie  Verzweigungen
  auf  allen  alten  Thronen  Enropa's  habe.  Allein
diese  Empfindungen  des  Hochgefühls,  das  so  natürlich  ist  und
einem  gediegenen  Manne  so  gut  steht,  schränkte  sich  bei  ihm  nicht
auf  die  engen  Grenzen  der  Familie  ein,  wie  wir  das  bei  andern
Fürsten  Deutschlands  mit  abstoßenden  Gefühlen  gewahren.  Nein,
sein  Regentenstolz  edelster  Art  ging  weiter.  Wenn  daher  der
König  die  Geschichte  seines  Hauses,  namentlich  die  seiner  berühmtesten
  Ahnen  besonders  liebte,  so  waren  ihm  doch  jene  Epochen
die  sonnigsten,  in  welchen  auch  das  bayrische  Volk,  sei  es  in
kriegerischer,  industrieller  oder  socialer  Beziehung,  eine  Hauptrolle
spielte.  Bayern,  das  von  uralter  Zeit  her  das  Kernland  deutscher
  Macht  gewesen  und  jetzt  so  ziemlich  die  deutschen  Hauptstämme
  in  sich  schließt,  sollte  nach  dem  Sinne  des  Königs  Max
auch  eines  der  ersten,  wenn  möglich  das  erste  deutsche  Land  sein
in  Bezug  auf  Wissenschaft,  Künste,  allgemeine  Bildung  und
materielle  Wohlfahrt.  „Lassen  Sie  uns  vorleuchten  allen
Stämmen  Deutschlands“  lautete  der  Schluß  seiner  ersten
Thronrede,  die  ja  auch  sein  Regierungs-Programm  gewesen  ist.

Aus  diesen  Grundzügen  entwickelte  sich  seine  Vorliebe  für
Geschichte  und  seine  ängstliche  Sorgfalt  für  Beiziehung  von
gelehrten  Kräften.  Wenn  daher  auch  sein  Streben,  Bayern  zum
Musterstaate  zu  machen,  von  einem  Gedanken  des  Stolzes  angehaucht
  war,  so  ist  dabei  doch  die  Grundidee  das  sittliche  Gefühl
seiner  Regentenpflichten  gewesen.  Wie  ängstlich  er  diese
nahm,  belegt  folgende  Thatsache.

Zur  Zeit,  als  die  Gewerbefrage  die  brennendste  für  das
innere  Staatsleben  bildete,  saßen  in  München  drei  der  bedeutendsten
  Industriellen,  die  zu  den  geistig  und  materiell  Unab-“

