die  Schleusen  der  Unterhaltung.  Man  tauschte  in  voller  Freiheit
  seine  Ideen  aus.  Das  Gespräch  war  oft  sehr  warm.

Jede  Abendunterhaltung  hatte  zwei  Abtheilungen:  eine
wissenschaftliche  und  eine  poetische.  Zuerst  wurden  wissenschaftliche
  Vorträge  gehalten,  wozu  der  Rönig  gewöhrlich  selbst
das  Thema  gegeben.  Nach  beendigten  Vorträgen  begab  man
sich  in  ein  Nebenzimmer,  wo  man  Billard  spielte  in  der  Weise,
daß  die  Bälle  mit  der  Hand  geworfen  wurden.  Hier  ward
auch  Punsch  gereicht.  Bei  dem  Billardspiel  nahm  der  König
Gelegenheit,  diejenigen  Herren,  mit  denen  er  allein  zu  sprechen
wünschte,  bei  Seite  zu  nehmen.

Dann  folgte  die  poetische  Abtheilung  der  Unterhaltung.
Entweder  wurden  von  den  anwesenden  Dichtern  ihre  neuesten
Schöpfungen  vorgetragen  oder  literär-historische  Gespräche  geführt.
  Den  Stoff  lieferte  ein  neu  erschienenes  Werk  von  Bedeutung
  oder  ein  neu  aufgeführtes  Drama  oder  Uebersetzungen
aus  fremden  Sprachen.  Diese  Unterhaltungen  umfaßten  das
ganze  Gebiet  der  Literatur  und  jeder  Zweig  derselben  hatte  seine
kundigen  Vertreter.  Die  englische,  namentlich  die  Shakespeare-Literatur,
  wurde  von  Bodenstedt,  die  italienische  von  Heise,  die
spanische  von  Schack  repräsentirt.  Stockte  ja  einmal  das  Gespräch,
  so  wußte  es  der  König  geschickt  und  ungezwungen  wieder
aufzufrischen.  Meistens  nach  anderthalb,  höchstens  nach  zwei
Stunden  zog  er  sich,  freundlich  grüßend,  in  seine  Gemächer
zurück.  Der  Gesellschaft  aber  ward  ein  leichtes  Souper  aufge—
tragen,  von  dem  sie  sich  häufig  erst  um  Mitternacht  trennte.

Die  Stammzäste  dieser  Abendunterhaltungen  waren:

der  Chemiker  Liebig;  der  Dichter  und  Gelehrte  Adolph  von

Schack;  die  Dichter:  Geibel,  Bodenstedt  und  Heise;  der  Rechtsgelehrte
  Bluntschli;  General  von  der  Tann;  der  Mineraloge
von  Kobell;  der  königliche  Leibarzt  von  Gietl  und  der  Legationsrath
  Ritter  von  Dönniges.  —  Dazu  kamen  später:  Professor

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