7.

S

243

Die  Königin  trank  immer  ein  Glas  Bier.  Eine  Stunde  Tafelzeit.
  Nach  der  Tafel  sah  der  König  die  Kinder  bei  der  Königin.

Darauf  folgte  eine  Spazierfahrt,  nicht  selten  mit  der
ganzen  königlichen  Familie.  Wenn  im  Winter  nicht  ausgefahren
  wurde,  so  widmete  sich  der  König  den  Staatssachen  bis
zur  Theaterzeit  (halb  sieben  Uhr).  Von  acht  bis  neun  Uhr
nahm  er  Thee  bei  der  Königin.  Pünktlich  zwischen  halb  und
dreiviertel  auf  zehn  Uhr  ging  er  zu  Bette.  Abends  aß  er  nichts
und  trank  gewöhnlich  nur  Wasser,  manchmal  auch  ein  Glas

Bier  oder  Punsch.

„Der  König  war  ein  Freund  der  Blumen  und
Pflanzenwelt.  Stets  mußte  auf  seinem  Arbeitstische  ein
Sträußchen  der  Blumen  stehen,  welche  die  Jahreszeit  brachte.
Ein  magnetischer  Zug  führte  ihn  zu  ihnen;  es  war  als  ob
er  die  Sprache  der  Kinder  Flora's  erlauscht  hätte,  als  ob
er  von  ihren  farbigen  duftigen  Blättern  geheimnißvolle  Runen
läse.  Darum  schuf  er  überall,  wo  er  es  vermochte,  Pflanzungen;
  überall  wollte  er  Leben  entstehen  sehen.  Anders
mit  den  Sängern  der  Lüfte;  sie  standen  ihm  weniger  nahe.
Es  war  als  ob  er  befürchtete  durch  sie  dem  Verbande  mit
der  Pflanzenwelt  entfremdet  zu  werden.  Ich  wüßte  nicht,
daß  er  je  einen  Sänger  im  Zimmer  hielt.

Auch  das  Läuten  der  Glocken,  das  Schlagen  der  Uhren,
das  Tiktak  der  Sackuhr  war  ihm  zuwider.  Hier  wirkte  wohl
sein  Nervenleiden  ein.“!)

Um  möglichst  viel  mit  der  Pflanzenwelt  zu  verkehren,  schuf
er  sich  in  seiner  Residenz  einen  Wintergarten.  Ein  Zauberpark
  ist's,  ein  reizendes  Miniaturbild  tropischer  Anmuth.  Keck
steigen  die  Lianen  hoch  an  den  hohen  Glaswänden  hin.  Des
Epheu's  dunkelgrüne  Herzblätter  ranken  neben  der  Passifloren

)  Aus  den  öfter  erwähnten,  dem  Verfasser  zugekommenen  Mittheilungen.

16