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Nicht  selten  spiegelte  sich  in  ihnen  seine  Vorliebe  für  alte
Volkstrachten.  Auf  einem  Maskenballe  bei  Hofe  (26.  Januar
1857)  erschien  auf  seinen  Wunsch  die  Königin  Marie  in  der
ächten  Tracht  einer  Münchner  Bürgersfrau  aus  der  alten  Zeit,
im  Mieder  mit  „G'schnür,“  im  goldenen  Riegelhäubchen  und  mit
Halskette,  deren  breites  Schloß  von  Diamanten  funkelte.  Auch
die  Prinzessin  Alexandra  trug  ein  bürgerliches  Kostüm,  das  ihr
allerliebst  stand.  Desgleichen  erschienen  die  Damen  in  ähnlichen
Charaktermasken  und,  wie  die  Männer  behaupteten,  sehr  zum
Vortheil  ihrer  persönlichen  Reize.

Der  Hof,  sagte  der  Stiftsprobst  Dr.  Döllinger  in  seiner
Gedächtnißrede  auf  der  Kanzel  der  Theatinerkirche,  der  Hof  war
unter  König  Max  eine  geweihte  Stätte  geworden,  in  welcher
eheliche  Treue  und  ungetrübter  Friede  wohnte  und  welcher
das  Laster  mit  seinem  Pesthauche  und  seinem  Modergeruche  sich
nicht  nahen  durfte.  Er  selbst  hatte  sich  den  einfachen  demüthigen
Glauben  an  Jesus  Christus  bewahrt.  In  diesem  Glauben  lebte
er,  in  ihm  starb  er.  Und  wenn  er,  was  jährlich  zweimal  geschah,
  seine  Beichte  ablegte  und  die  heilige  Communion  empfing,
dann  war  ihm  die  Vorbereitung  dazu  und  die  Erforschung  seines
Gewissens  eine  ernste  Angelegenheit,  die  er  mit  aller  Sorgfalt
vornahm.  Er  wußte  wohl,  was  es  heiße,  das  Gewissen  eines
Königs  erforschen.  Er  verkannte  nicht,  daß  oft  Wohl  und  Wehe
von  Millionen  an  seinen  Entschlüssen  hing,  daß  ein  einziger  von
ihm  begangener  Fehlgriff  eine  unabsehbar  lange  Kette  von  unheilbringenden
  Folgen  nach  sich  ziehen  könne.  Selbst  Geringeres
nahm  er  Ernst.

Täglich  hat  der  König  auf  ein  Blatt  Papier  diejenige
Tugend  geschrieben,  deren  Uebung  er  sich  für  den  einzelnen
Tag  besonders  zur  Aufgabe  nehmen  wollte.  So  zeichnete  er
z.  B.  auf:  „Beherrsche  jegliche  Selbstsucht!“  „Hüte  dich  vor
Hochmuth!“  „Uebe  Großmuth!“  „Verzeihe  deinen  Feinden!“