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„Unterwirf  dich  ganz  und  gar  dem  Willen  Gottes!“  „Liebe
Gott  über  Alles,  und  zeige  es,  daß  du  gehorsam  bist  gegen
seine  Gebote!“  u.  s.  w.!)

Nach  dem  Erwachen  bat  er  vor  Allem  den  König  der
Könige  um  Erlenchtung,  Kraft  und  Ausdauer.  Abends,  vor  dem
Schlafengehen  hielt  er  Gericht  über  sich  selber,  nicht  selten
knieend,  ob  und  wie  es  ihm  gelungen,  die  auferlegte  Tugend
sich  zum  Eigenthum  zu  machen.

„Schon  als  Kronprinz  begann  er  (wahrscheinlich  seit
seinem  neunundzwanzigsten  Lebensjahre)  sein  Tagebuch  zu
führen  —  in  Chiffern;  er  suchte  sich  kennen  zu  lernen,
und  ungern  sah  er  sich  in  der  Führung  unterbrochen.  Der
Eintrag  diente  ihm  zur  Prüfung,  ob  er  in  der  Selbsterkenntniß
  und  der  Beherrschung  seiner  selbst  Fortschritte  gemacht;
  es  war  eine  beständige  Gewissenserforschung.“)

In  seiner  Tagesordnung,  in  der  Eirnfachheit  der  Tafel,
im  Umgang  mit  hervorragenden  Männern  des  Geistes  glich  er
jenem  römischen  Kaiser,  an  dessen  Palaste  ein  Ausrufer  verkündete:
  „Niemand  solle  eintreten  in  die  geweihten  Räume,  wenn
er  nicht  schuldlosen  Herzens  sei.“  Alexander  Severus  (Marcus
Aurelius)  war  dieser  Kaiser.

Wenn  es  galt,  sich  über  wichtige  Angelegenheiten  schlüssig
zu  machen,  wozu  Ruhe  und  Klarheit  des  Geistes  die  Haupterfordernisse
  sind,  dann  zog  sich  Max  II.  in  sein  „Sanctunrium“
zurück,  wie  es  auch  Marc  Aurel  gethan  hat.  Nur  wenig
Menschen  leben,  welche  der  König  das  der  Betrachtung  geweihte
Gemach  sehen  ließ.  Es  enthält  die  bildliche  Darstellung  seiner
Ideale.  Als  ihm  einst  gesagt  wurde,  das  Ideal  der  höchsten
Mutterliebe  —  eine  Madonna  fehle,  besorgte  er  sofort  die

1)  Dreer,  Trauerrede,  Augsb.  1864.
1)  Aus  unseren  Mittheilungen.