250

—  —

in  Mitte  der  Bauersleute,  die  ihn  eng  umknieten.  In  den
Psalmen  las  er  gerne.

„An  den  Sonn=  und  Feiertagen  liebte  er  nicht,  sich  mit
Regierungsangelegenheiten  zu  beschäftigen,  nur  Anträge  auf
Unterstützungen  wollte  er  bescheiden.  Je  höher  der  Festtag,
desto  lieber  spendete  er  größere  Wohlthaten.“!“)

Und  was  den  Familienkreis  betrifft:  seinen  Eltern  war
König  Max  ein  dankbarer  Sohn,  der  Gattin  der  treueste,  zärtlichste
  Gatte,  den  Kindern  ein  liebevoller  aber  strenger  Vater.
Die  Erziehung  derselben  überwachte  er  mit  aller  Sorgfalt  und
prüfte  selbst,  wie  weit  sie  an  Kenntnissen  und  Bildung  des
Herzens  vorgeschritten,  und  mit  Wonne  äußerte  er  sich  der  Königin
  gegenüber,  wie  sein  Ludwig  ihm  selbst  stets  ähnlicher  werde.

Besonders  suchte  er,  keine  Art  von  Hoffart  in  den  kindlichen
  Gemüthern  aufkommen  zu  lassen.  Als  er  die  Unterrichtung
  des  Kronprinzen  dem  Lehrer  Klaß  übertrug,  sprach  er  die
beherzigenswerthen  Worte:

„Erziehen  und  unterrichten  Sie  den  Kronprinzen  gerade
so  wie  die  Kinder  der  Bürger  in  der  Schule;  nennen  Sie
ihn  nie  königliche  Hoheit,  sondern  nur  Kronprinz  oder  Ludwig.
Das  ist  mein  Wille.“

Auch  sollte  der  Lehrer  den  Kronprinzen  auf  die  Bedeutung
des  Wortes  „Kronprinz“  aufmerksam  machen.

Unter  seinen  Geschwistern  war  dem  König  Mathilde  die
liebste.  Sie  war  ihm  seelenverwandt.  Unter  seinen  Eltern  hing
er  mehr  der  Mutier  an.  Namenlos  war  sein  Schmerz,  als  er
sie  verlor.  Im  Oktober  1854,  nachdem  die  Cholera  in  München
amtlich  für  erloschen  erklärt  worden  war,  kehrte  die  Königin
Therese  mit  ihrem  Gemahl  von  dem  Sommeraufenthalte  zu
Aschaffenburg  nach  München  zurück  und  erkrankte  an  der

)  Aus  unseren  Mittheilungen.