—⁊*

265

—  —  —

Da  sprach  der  Geist  das  Mahnungswort:
„Was  du  verlangst,  wird  nicht  erfüllt  —
Hienieden  nicht  —  an  jenem  Ort,

Wo  sich  die  Gottheit  dir  enthüllt.“

„Wie  sie,  so  werde  heilig  du:

Ihr  höchstes  Moeisterwerk  auf  Erden,

Eil  freudig  der  Vollendung  zu.

Dann  wird  dem  Wunsch  Erfüllung  werden.“

Wir  wissen,  daß  an  der  Hand  Schelling's  Max  II.  schon
als  Kronprinz  das  pfadlose  Gebiet  der  Metaphysik  betreten  hat.
Schelling  war  es,  der  durch  seine  Rathschläge  in  der  Seele  des
jungen  Prinzen  den  Entschluß  geweckt  und  befestigt  hat,  die
Pflege  der  Wissenschaft  nicht  bloß  für  Bayern,  sondern  für  ganz
Deutschland  zu  übernehmen.  Aus  des  Königs  Aufzeichnungen,
die  dem  Stiftspropst  Dr.  Döllinger  mitgetheilt  worden  sind,
ergibt  sich,  daß  er  sich  auf  Schelling's  Rath  hin  das  zum  leitenden
  Grundsatz  gemacht  hatte:

„Darauf  soll  bei  der  Wissenschaft,  bei  aller  sonstigen
Freiheit,  gesehen  werden,  daß  die  Achtung  vor  göttlicher
und  staatlicher  Ordnung  stets  gewahrt  bleibe,  daß  der  Mensch
das  Menschliche  dem  Göttlichen  unterzuordnen  habe."“

An  einer  andern  Stelle  heißt  es  in  den  Aufzeichnungen:

„Schelling  sagte  mir,  daß  Theologie,  Medicin,  Jurisprudenz
  weniger  Unterstützung  von  meiner  Seite  verlangten,
weil  schon  viel  dafür  geschehen  und  kaum  Neues  zu  finden
sei;  sollte  sich  aber  ein  besonderes  Bedürfniß  und  Gelegenheit
  zeigen,  dann  möge  ich  es  thun."“

Im  Ganzen  ist  der  König  diesem  Programm  treu  geblieben.
  Weniger  wohl  aus  dem  von  Schelling  angegebenen  Grunde,
als  weil  er  bedachte,  daß  jeder  Fortschritt  in  den  geschichtlichen
Studien  auch  für  die  Theologie  und  Jurisprudenz  sich  fruchtbringend
  erweise,  daß  Erweiterungen  der  Naturkenntniß  auch