8

273

Auf  keinem  Gebiete  des  menschlichen  Wissens  ist  durch  die
Großmuth  des  Königs  Max  II.  so  viel  geleistet  worden  als  auf
dem  der  deutschen  Geschichts-Wissenschaft.

Allein  nicht  sowohl  die  großen  Geldsummen,  welche  der
König  anwies,  zwingen  uns  Verehrung  ab,  als  vielmehr  die
stets  lebhaste  Theilnahme,  welche  er  persönlich  den  Bestrebungen
der  durch  ihn  beschäftigten  Gelehrten  angedeihen  ließ.  Gleichwohl
  sind  die  von  ihm  gespendeten  Summen  so  erstaunlich  groß,
daß  sie  den  Dank  der  Mit=  und  Nachwelt  verdienen.  Aber  die
Dankbarkeit  wandelt  sich  in  Rührung,  wenn  man  weiß,  daß  die
von  Bayerns  König  der  deutschen  Wissenschaft  zugewendete  Unterstützung
  nicht  ohne  persönliche  Entsagung  und  nur  durch  eine  unglaubliche
  Einfachheit  seines  Hof=  und  Haushaltes  möglich  gewesen
ist.  Nicht  Brosamen,  die  vom  Tisch  des  Ueberflusses  fielen,  ließ
er  der  Wissenschaft  reichen.  Er  lud  sie  an  die  eigene  Tafel  ein.

In  dem  langen,  langen  Verzeichniß  der  königlichen
Spenden  finden  sich  zuerst  wahrhaft  königliche  Unterstützungen
zu  wissenschaftlichen  Reisen  im  Betrage  von  fünf=  bis  achttausend
Gulden.  Stipendien  für  Studirende  und  angehende  Gelehrte
zum  Besuch  auswärtiger  Universitäten,  oder  auch  Gaben  an
fremde  Gelehrte  zum  Aufenthalte  in  München.  Summen  für
Anschaffung  wissenschaftlicher  Instrumente,  für  Verfertigung  von
Karten.  Großartige  Unterstützungen  für  Ausführung  von  Forschungen
  im  Auslande.  Beträchtliche  Beiträge  zur  Herausgabe  der
Werke  von  lebenden  oder  verstorbenen  Gelehrten.

Nach  Zusammenstellungen,  die  wir  aus  der  Augsb.  Allg.
Zeitung  gemacht,  betrugen  die  Unterstützungen  des  Königs  im
Jahre  1857  allein  nahe  an  hunderttausend  Gulden.  In
alle  Länder  Europa's,  ja  in  alle  Theile  der  Erde  gingen  auf
des  Königs  Geheiß  und  Kosten  Männer  zu  wissenschaftlichen
Forschungen,  nach  Australien,  Amerika,  Asien  und  Afrika.
König  Max  II.  hat  den  Ruhm,  zuerst  für  die  deutsche

Müller.  König  Max  II.  18