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hinter  andern  deutschen  Hauptstädten  in  wissenschaftlicher  Bedeutung
  nicht  länger  zurückblieb,  ist  das  Verdienst  des  Königs
Max  II.

„Wenn  er  im  Anfang  seiner  Regierungszeit  vorzugsweise
der  Wissenschaft,  als  der  bedürftigeren,  seine  Pflege  zuwendete,
so  gehört  dazu  eine  gewisse  Eutsagung  und  viel  freie,  großartige
Auffassung.  Nicht  nur,  daß  diese  Förderung  bei  einer  mächtigen
Partei  entschiedenen,  bald  offenen,  bald  geheimen  Widerstand
fand,  sind  auch  die  Resultate  derselben  weniger  in  die  Augen
fallend.  Sie  verstecken  sich  zunächst  in  dunkle  Schulstuben,
Laboratorien  und  Bibliotheken;  sie  scheinen  sich  auf  ein  Dutzend
Hörsäle  und  ein  Dutzend  neuer  Bücher  zu  beschränken,  und  es
dauert  lange,  bis  sie  als  Aufklärung,  Bildung,  Wohlstand,
Freiheit  und  Patriotismus  zu  Tage  treten.“!)

Aber  die  Schöpfungen  der  Kunst  stehen  an  der  Gasse.
Sie  erfreuen  sogar  den  Armen  mehr  als  den  Reichen,  der  ihm
diesen  Besitz,  einen  idealen,  nicht  verkümmern  kann.  Ein  Gang
durch  die  Bildergallerien  Münchens  ist  dem  aufgeweckten  Handwerksburschen
  eine  viel  köstlichere  Erinnerung,  als  dem  gelangweilten
  Lord  von  Alt-England.  Die  schön  geschmückte  Kirche
ist  dem  Armen  ein  doppeltes  Heiligthum.

König  Max  hat  die  Nothwendigkeit  eingesehen,  den  Glanz
seiner  Herrschaft  durch  die  Pflege  der  Künste  zu  erhöhen  und
in  dem  Gedächtniß  der  wandelbaren  Menge  durch  großartige
Schöpfungen  zu  befestigen.  Hauptsächlich  aber  wollte  er  bilden
und  unterrichten.  Die  Thatsache,  daß  die  Geschichte  und  die
höhere  historische  Anschanung,  wie  sie  in  der  deutschen  Wissenschaft,
namentlich  des  nationalen  Rechts,  der  Sprache,  der  Literatur
ihre  Wirkung  gehabt  hat,  weniger  bisher  in  den  Werken  der
deutschen  Malerei  vertreten  ist,  hat  den  König  veranlaßt,  einen

1)  Vergl.  Allgemeine  Zeitung,  Beil.  Nr.  151,  Jahrg.  1857.