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Gegen  Morgens  trat  die  Nothwendigkeit  an  den  Leibarzt
heran,  den  König  von  der  Gefahr  zu  unterrichten,  in  der  er
sich  wirklich  befand.  Dann  empfing  der  König  seinen  Beichtvater,
  Domdechant  Dr.  v.  Reindl.  Es  war  fünf  Uhr  Morgens
am  10.  März.  Mit  Fassung  ergab  er  sich  in  sein  Geschick.
Eben  als  die  große  Bennoglocke  von  der  Frauenkirche  das  Volk
zum  Gebete  aufrief  für  den  todtkranken  König,  empfing  er  selbst
mit  ergreifender  Andacht  die  heiligen  Sakramente  und  betete  um
dieselbe  Stunde  mit  seinem  Volke,  für  das  er  gelebt  hatte.
Dann  hieß  er  Alle  fortgehen  bis  auf  die  Königin  und  seine
beiden  Söhne.  Er,  der  Sterbende,  sprach  ihnen  Trost  zu.
Hierauf  empfing  er  die  heilige  Oelung,  betete  wieder  mit  lauter
Stimme,  indem  er  selbst  dem  Priester  in  lateinischer  Sprache
auf  die  liturgischen  Gebete  die  Antwort  gab.  Dann  aber,  dann
nahm  er  Abschied  von  den  Seinen  für  diese  Welt  und  segnete

Aber  eine  Hand  ließ  die  ihr  zum  Abschiede  gereichte  Hand
des  Sterbenden  nicht  los:  jene  Hand,  die  er  vor  fast  zweiundzwanzig
  Jahren  am  Altare  im  Festschmuck  als  Bräutigam  erfaßt
hatte.  Tren  war  die  Königin  Marie  mit  dem  Gemahl  durch
Freud  und  Leid  des  Lebens  gegangen.  In  der  dunkeln  Stunde,
wo  sich  die  geheimnißvolle  Pforte  des  Jenseits  aufzuthun  im
Begriff  ist,  sollte  ihm  die  Gefährtin  nicht  fehlen.  Den  brechenden
  Blick,  den  letzten,  empfing  sie  und  das  letzte  Wort  hörte  sie:
„Liebe  Marie!  Jch  —".  Seine  Sinne  schwanden  und  gleich
darauf  hatten  Millionen  Menschen  ihren  Landesvater  zu  beweinen
  —  eilf  dreiviertel  Uhr  Vormittags  am  10.  März  1864.

Da  ertönte  wieder  die  Bennoglocke  und  fort  und  fort  klagte
sie,  bis  ihr  die  andern  Glocken  auf  allen  Thürmen  der  Stadt
antworteten.  Und  der  elektrische  Funke  trug  blitzschnell  die  Trauerbotschaft
  in  alle  Gegenden  Bayerns,  in  alle  Gaue  Deutschlands,
in  alle  Länder  Europa's.  Ueberall  waren  Worte  der  Trauer

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