#ceebce  Die  deutsche  Secle  56%5lhb  W  29

seinem  Anfang  einigermaßen  wie  ein  Territorial-  oder
Kolonialkrieg  aussehen  konnte,  endigt  damit,  daß  er
fast  das  Ansehen  eines  internationalen  Religionskrieges
  erhält.  —

Um  zunächst  mit  einer  kurzen  Darstellung  der
ideellen  Hintergründe  unserer  Gegner  zu  beginnen,  so
ist  Frankreich  im  Kriege  voll  von  der  Erinnerung
einer  großen  Vergangenheit.  Die  „Grande  nation“  lebt
im  Angesicht  ihrer  früheren  glanzvollen  Jahrhunderte.
Wenn  wir  uns  wundern,  mit  welcher  Zähigkeit  die
beutigen  Franzosen  den  Kampf  führen,  so  läßt  sich  diese
Energie  sicherlich  nicht  mit  materiellen  Hoffnungen  erklären;
  denn  von  allen  beteiligten  Bölkern  hat  der  Franzose
  —  selbst  im  Falle  eines  Sieges  —  den  geringsten
äußeren  Nutzen  zu  erwarten,  da  auch  sogar  eine  etwaige
Wiedereroberung  von  Elsaß  und  Lothringen  die  Zerstörungen
  des  französischen  Gebietes  und  den  Tod  der
französischen  Söhne  nicht  wieder  ausgleichen  könnte.
Die  französische  Nation  hat  aber  den  Glauben,  daß  sie
es  ihren  Bätern  schuldig  ist,  nicht  ohne  eine  allerletzte
und  allergrößte  Anspannung  ihrer  Kräfte  den  Anspruch
auf  die  führende  Großmachtstellung  aufzugeben.  Frankreich
  war  im  17.  und  18.  Jahrhundert  der  Mittelpunkt
  der  europäischen  Kultur.  Im  Zeitalter  König
Ludwig  XIV.  haben  wir  alle,  und  insbesondere  auch
wir  Deutschen,  außerordentlich  viel  von  den  Franzosen
gelernt  und  haben  uns  ebensosehr  in  militärischen  wie
in  kulturellen  Angelegenheiten  nach  ihrem  Vorbild  gebildet.
  Diesen  Zustand,  Mittelpunkt  der  abendländischen
  Kultur  zu  sein,  hat  im  Grund  auch  heute  der  ein-