30  MAISIGGoM  Die  deutsche  Seele  Scp###s#sn#h

zelne  Franzose  noch  in  seinem  Sinne,  und  dazu  kommt
die  große  Legende  von  der  französischen  Revolution.
Das  französische  Volk  sieht  sich  als  den  Träger  von  Gedanken
  an,  die  in  der  Menschheit  notwendig  sind  und
die  in  Paris  ihre  reinste  Formulierung  gefunden  haben.
Wenn  wir  jetzt  während  des  Krieges  ernsthaftere  fran—
zösische  Blätter  oder  Bücher  in  die  Hand  nehmen,  so
finden  wir  als  immer  wiederkehrenden  Gedanken  den
Glauben  an  die  Mission  Frankreichs,  die  Ideen  der
Freiheit,  so  wie  sie  französich  gestaltet  worden  sind,  in
der  Welt  zu  vertreten.  Die  Franzosen  trösten  sich  damit,
daß,  —  selbst  wenn  sie  im  Kriege  sterben  müssen  —  dann
wenigstens  ihre  Ideen  siegreich  bleiben.  Das  ist  es.
was  sie  heute  aufrecht  erhält.

Bei  den  Engländern  spielen  selbftverständlich  von
vornherein  die  materiellen  Dinge  eine  viel  größere  Nolle
als  bei  den  Franzosen.  Denn  der  Gegensatz  Englands
gegen  die  wachsende  deutsche  Zndustrie,  Finanzkraft  und
Handelestärke  wird  von  großen  Klassen  von  Interessenten
  getragen,  und  der  Gedanke,  als  ob  jeder  Engländer
  dadurch  reicher  werden  könnte,  daß  man  die
Deutschen  ärmer  macht,  ist  —  soweit  wir  die  Dinge  übersehen
  können  —  weit  im  englischen  Volke  verbreitet.
Dennoch  würde  es  ein  Frrtum  sein,  wenn  wir  glauben
wollten,  daß  nur  diese  praktischen  Erwägungen  der
Konkurrenz  und  des  Profits  die  Triebkräfte  der  englischen
  Seele  in  diesem  Kampfe  seien.  Denn  der  englische
  Seeberrschaftsgedanke  und  Welthandelsgedanke  ist
von  vornherein  so  stark  mit  religiösen  Ideen  verflochten,
daß  eine  reinliche  Scheidung  zwischen  irdischen  Aützlich-