#uc####nrzch#  Die  deutsche  Seele  Sckch#####b#

drei  großen  westeuropäischen  Nationen:  Franzosen,
Engländer  und  Deutsche  entstammen  derselben  mittelalterlichen
  Familie.  Alle  drei  gehören  ursprünglich  zum
Gebiete  der  römischen  Kirche.  Und  in  den  Sprachen
dieser  drei  Nationen,  auch  in  den  Sprachen  der  skandinavischen
  Bölker,  ist  von  Haus  aus  ein  gewisser  gemeinsamer
  Bestand  römischer  Worte  und  ISdeen.  Und  auch
dann,  nachdem  durch  die  kirchliche  Reformation  des
16.  Jahrhunderts  die  Scheidung  in  Katholiken  und
Protestanten  eingetreten  ist,  blieb  zwischen  dem  größeren
Teile  des  englisch-schottischen  Bolkes  und  des  deutschen
Volkes  eine  Gemeinschaftlichkeit  der  Auffassung.  Gemeinsam
  war  auch  noch  die  Aufnahme  der  klassischen
Ideen  in  der  Renaissance  der  Wissenschaften.  Wenn
man  in  den  früheren  Zahrhunderten  zur  alten  Universität
Sorbonne  nach  Paris  pilgerte,  oder  nach  Cambridge,
oder  nach  Leipzig,  so  fand  man  an  allen  drei  Stellen
dasselbe  Latein  und  dieselben  Denkformen.

Aus  dieser  gemeinsamen  Familie  hoben  sich  zuerst
die  Franzosen  heraus  und  schufen  ein  eigenes  Geistesleben,
  indem  sie  den  früheren  gemeinsamen  Besitz  auf
französisch  neu  hervorbrachten.  Das  war  die  glänzende
Kultur  der  französischen  Königszeit,  deren  Durchsichtigkeit
  und  lineare  Vollendung  noch  heute  in  Versailles,
im  Trianon  und  im  Louvre  bewundert  wird.  Von  allen
Kulturperioden  der  neueren  Zeit  ist  sie  die  älteste  und
hat  darum  den  größten  Zauber,  dem  sich  die  Spätergekommenen
  nicht  zu  entziehen  vermögen.  Die  französische
  Kultur  ist  unter  den  gegenwärtig  vorbandenen
die  älteste,  am  meisten  bereits  Vergangenheit.