40  KWemrrch  Die  deutsche  Seele  S##chß#e

Zn  der  Geschichte  der  deutschen  Seele  ist  keine
Zeit  seltsamer  und  merkwürdiger  als  die  Periode  etwa
von  1780—1820,  und  zwar  nicht  nur  wegen  der  politischen
Vorkommnisse  jener  Zeit,  in  der  die  deutsche  Kleinstaaterei
  unter  Napoleon  zusammenbrach  und  in  der
die  Deutschen  erst  gezwungen  wurden,  mit  Napolecon
nach  Moskau  zu  marschieren,  um  dann  mit  dem  Zaren
Alexander  I.  zur  befreienden  Bölkerschlacht  zu  Leipzig
zurückzukehren,  sondern  vor  allem  wegen  dessen,  was
sich  in  den  gleichen  Zahren  auf  dem  geistigen  Gebiele
begeben  hat.  Während  die  deutsche  Kleinstaaterei  zerbrach,
  begann  das  große  Denken  dieser  Welt-,  Menschen-,
Geschichts-  und  Lebensziele.  Ein  Denken,  wie  es  gleichzeitig
  von  so  vielen  hervorragenden  Kräften  nie  in  einem
anderen  Volke  unternommen  wurde.  Es  haben  andere
Völker  auf  anderen  Gebieten  Perioden  erlebt,  in  deneit
eine  gesamte  Generation  sich  einer  großen  Aufgabe
gewidmet  hat.  Die  Ztaliener  haben  zu  einer  gewissen
Zeit  viel  mehr  bervorragende  Architekten  besessen  als
wir  sie  jemals  schaffen  konnten.  Aber  daß  das  Bearbeiten
  von  Zdeen  zur  Nationalaufgabe  an  sich  geworden
ist,  ist  ein  deutsches  Erlebnis,  und  aus  dem  stattlichen
Stabe  der  Denker  heraus  erwuchs  die  neue  deutsche
Scele.  Um  den  Königsberger  Philosophen  Kant  herum
standen  Scharen  von  Mirdenkern  auf,  deren  größte  und
bekannteste  ich  in  diesem  Zusammenhang  nur  kurz  zu
nennen  brauche:  Fichte,  Schelling,  Schleiermacher,
Hegel  und  die  von  Philosophie  durchtränkten  und  umleuchteten
  Dichter:  Herder,  Goethe  und  Schiller.  Das
find  die  nabe  beieinanderliegenden  obersten  Gipfel